Sunday, 9. march 2008 7 09 /03 /März /2008 23:51
Äpfel von Oma
 
Aus der Sicht eines Enkels sind Großeltern eine vollauf zu begrüßende Laune der Natur. Sie haben alle Zeit der Welt, ihre über die Jahrzehnte geschulte und gestählte Stimme hat Ausdauer-Qualitäten entwickelt, die sie zum Vorlesen besonders geeignet erscheinen lassen. Vor allem aber verfügen sie, und hier spitzt sich die Erinnerung langsam aber sicher auf die Oma zu, über einen schier unerschöpflichen Vorrat an Süßigkeiten, mit dem sie äußerst freigiebig umgehen, denn die Meinung, der Enkel leide an leichter Mangelernährung, gehört, so ungerechtfertigt dies im Einzelfall auch erscheinen mag, zur großelterlichen Grundausstattung.
Nach dem Prinzip von Yin und Yang muss ein solches Paradies natürlich auch seine Schattenseiten haben, „The Dark Side of the Oma“ sozusagen. Und diese Schattenseite ergibt sich aus Omas Überzeugung, dass zwischen den ganzen Bonbons, Gummibärchen und Schokoriegel auch ein paar Vitamine gepresst werden müssen. Diese gibt es in Form von Obst. Im Winter ist dabei in Form von Mandarinen wenigstens noch für ein Minimum an Abwechslung gesorgt. Zusätzlich gibt es in dieser Zeit (und den Rest des Jahres über sowieso und fast ausschließlich) das, was Oma für den Obst gewordenen Ausbund deutscher Tugenden hält: Äpfel!
Nun ist der Apfel an sich ein durchaus freundlicher Bursche, dem man sich hin und wieder durchaus mit Genuss widmen kann. Bei Omas Äpfeln ist das immer irgendwie anders. Sie wirken immer etwas weniger schön und Appetit anregend als ihre dem Kind zum Vergleich stehenden Artgenossen. Woran liegt das? Vor allem wohl daran, dass Oma ihre Äpfel nach Kriterien auswählt, die uns Außenstehenden wohl auf ewig ein Rätsel bleiben werden. Das hat bedenkenswerte Folgen: Wie Haustier und Halter/in sich im Laufe der Zeit immer ähnlicher werden, so verhält es sich auch bei Oma und den von ihr ausgesuchten Äpfeln. Dick und trotzdem schrumpelig, die Haut übersät mit braunen Flecken. Ob diese Parallelen sich auch ins Innenleben ziehen, weiß ich nicht, denn ich habe nie in meine Oma gebissen, um zu überprüfen, ob auch sie von mehliger Konsistenz sei. Brauchte ich auch nicht, braucht überhaupt kein Enkel, man sieht ja sowohl Omas als auch Äpfeln schon rein äußerlich an, dass der meiste Saft wohl raus ist…
 
von Olaf Meiser - veröffentlicht in: Humor
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Thursday, 6. march 2008 4 06 /03 /März /2008 22:19
Man darf den Toten eben doch schlecht nachreden!
 
Bei kleinen Kindern bemüht man sich verzweifelt, sie zur Wahrheit zu erziehen. Wir Erwachsenen sind da schon ganz anders. Wir nehmen uns oft die Freiheit, die Tatsachen etwas zu verbiegen und sprechen dann großzügig von einer Notlüge. Ein ganz extremer Fall dieser Notlügen ist die so genannte Pietät, die uns vorgibt, dass man aus irgendeinem Grunde nichts Negatives über Verstorbene sagen darf.
Was für ein Quatsch! Wird ein Arschloch etwa automatisch zu einem guten Menschen, bloß weil er die Welt durch sein Ableben etwas verschönert hat? Wohl kaum! Und so halten wir uns selber auch nicht an unseren eigenen Verhaltenscodex. Denn auch in Sachen Konsequenz dienen wir unserem eigenen Nachwuchs kaum als gutes Vorbild. Oder hätte jemals jemand in einem Geschichtsbuch über den GröFaZ gelesen, er sei gar kein schlechter Mensch gewesen, bloß missverstanden? Eben nicht und das völlig zu Recht! Allerdings muss dann auch im Kleinen gelten, was uns bei den großen Diktatoren und sonstigen Schreckensgestalten dieser Welt eine Selbstverständlichkeit ist: Man muss nicht jede Erinnerung verklären! Es ist eben keine Schande dabei, die Schrecken, die eine Person, in welchem Umfeld auch immer, in die Welt getragen hat, auch auszusprechen!
Die Hinrichtung an Saddam war ein barbarischer Akt, der einem zivilisierten Staat nicht besonders gut zu Gesicht steht, das ist wohl für jeden denkenden Menschen unbestritten. Trauert man dem Widerling deswegen hinterher? Nein, wahrscheinlich nicht mal innerhalb bestimmter Teile seiner eigenen Familie, denn auch dort ließ der paranoide Despot bei einem Widerwort zum falschen Zeitpunkt gründlich aufräumen.
Und darum soll es gehen: Warum soll ich eine Trauerfeier besuchen, wenn mir der Tote als ein Ekel von Gottes Gnaden in Erinnerung ist? Nur um mir seine Angehörigen gewogen zu halten, die ja in manchen Fällen vielleicht sogar noch einen Grund zur Trauer haben? Ist ihnen mit dieser unehrlichen Geste denn wirklich gedient? Ist es nicht besser, ich bleibe ganz weg, als wenn ich während der Trauerpredigt bei den offenkundigsten Lügen in lautes Gelächter ausbreche? Da ist es doch netter, ich lasse diejenigen in Ruhe trauern, denen es mit ihren Gefühlen wenigstens Ernst ist.
„Wir alle trauern um…“, ach wirklich? Auch die, denen es eigentlich nur ums Erbe geht? Ist aber schön, dass Ihr heute auch ein paar Tränen vergießt, kommen die von der Trauer oder sind die wegen der Kopfschmerzen, weil es gestern ein bisschen viel Champagner gewesen ist? Auch hier gebietet es uns die Pietät, wenigstens noch einmal so zu tun, als wären wir von dem Verlust schwer getroffen, bevor wir uns dann munter in die Streitigkeiten und Prozesse mit den anderen Angehörigen stürzen.
Genauso verlogen ist streng genommen die Trauerrede da vorne vom Seelsorger, der von Berufs wegen bewegende Worte in sein Mikrofon absondern muss, über eine Person, der er so fremd war, wie jedem anderen der im Raume Anwesenden. In Gottes Hand ruhen, gut und schön - aber muss das Letzte, was man auf diesen Weg mitbekommt, wirklich noch die frömmelnde Ermahnung eines klerikalen Winkelpredigers sein? Als Stand-up-Comedian gescheitert, dann mache ich eben nicht in Fröhlichkeit sondern in Trauer… So macht Totsein überhaupt keinen Spaß und man beneidet ein wenig die Opfer von Sprengstoff-Attentaten, bei denen die Ohren vielleicht wenigstens getrennt vom Rest des Körpers beerdigt werden.
Es gibt auch Leute, bei denen man sich wirklich überlegen möchte, ob sie die Trauer der Öffentlichkeit wirklich verdient haben. Viele Menschen haben den Sarg der Mutter Theresa gesäumt, das Geschrei der Medien war dennoch vergleichsweise klein. Es wäre einer der größten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts wohl auch eher peinlich gewesen, wenn um ihren Tod so viel Aufhebens gemacht worden wäre. Allerdings war nicht die Rücksicht der Medien auf die Wünsche der Verstorbenen Ausschlag gebend für die vornehme Zurückhaltung, sondern die Konzentration auf die kurz zuvor gestorbene Lady Di.
Was war an diesem Tod eigentlich so besonders? Sie hatte den gleichen Fehler gemacht, dem jedes Wochenende nach der Disco etliche Jugendliche zum Opfer fallen, nämlich den, sich einfach zu einem unfähigen Fahrer in die Karre zu setzen. Man stelle sich vor, jeder dieser gescheiterten Discoheimkehrer würde nach seinem Unfall von wilden Verschwörungstheorien umrankt werden, man käme gar nicht mehr nach, sich diese Geschichten alle zu merken. Und zehntausende Menschen standen an den Straßen und weinten. Um die geschiedene verschiedene Schwiegertochter des Staatsoberhauptes. Ich weiß nicht genau, ob unser Bundespräsident und seine Frau geschiedene Schwiegerkinder haben, aber wenn, dann könnte man sie mit Sicherheit leiser zu Grabe tragen, so weit geht die Solidarität der Deutschen dann doch wieder nicht, trotz des Märchensommers 2006!
Und die Menschen, die heute noch um den britischen Blondinenwitz trauern (ja, es ist kaum zu glauben, aber die gibt es!), reagieren äußerst ungehalten, wenn man der Wahrheit entsprechend mal andeutet, dass das Leben der Prinzessin nun auch nicht so ganz ohne Fehl und Tadel gewesen sei. Man frage nur mal ihre Reitlehrer. Auch sollte man nicht erwähnen, dass man es eher absurd findet, wenn sich eine Frau mit Essen voll stopft und nachher mit dem Finger beim Kotzen nachhilft, obwohl sie eigentlich beide Tätigkeiten anwidern. Da erscheint das Engagement für hungernde Kinder in Afrika doch gleich wie hämisches Mitleid: Ich kann es eh nicht bei mir behalten, da könnt Ihr es auch gleich denen geben!
Ebenfalls verwunderlich fände ich ein großes Tamtam um den Tod von Wolfgang Schäuble, den der wunderbare Volker Pispers einmal als Musterbeispiel für den gelebten Gegensatz „Attentatsopfer und Rollstuhltäter“ angeführt hat. War schon sein Vorgänger Otto Schily ein Beschneider vieler bürgerlicher Freiheiten als Preis für ein diffuses Gefühl der Sicherheit, so musste dieser Charles Blofeld der deutschen Innenpolitik noch eins draufsetzen. Sein Kampf um eine Abschusserlaubnis für Flugzeuge und so manche andere Sauerei, die seiner Karriere leider nie nachhaltig schaden konnten, lassen einen doch geradezu wünschen, dass seinem Rollstuhl auf dem Weg ins ewige Leben der Akku leer gehen möge.
Oder Dieter Bohlen. Der Mann, der aus einem ganz fragilen Glashaus mit Steinen auf andere bedauernswerte Nicht-Talente wirft, hat mich schon hier so dermaßen penetrant aus allen erdenklichen Medien belästigt, dass ich nicht auch noch das Jenseits mit ihm teilen mag. Dann soll er lieber noch ein paar Latina-Lookalikes pömpeln (aber bitte unter Ausschluss der Öffentlichkeit) und dann aber schnell und ebenso unwürdig wie zu seinen irdischen Zeiten von der Bühne des Lebens abtreten, lieber heute als morgen. Leider steht zu befürchten, dass BILD und einer der RTL-Sender ihm dann eine ewige Gedenkecke einrichten werden, in der man dann regelmäßig an seine feigen Attentate auf die Musik erinnert wird. Aber dafür hat der liebe Gott ja das Zapping erfunden und zumindest ich könnte ihn dann ebenso schnell vergessen, wie die Namen der angeblichen Superstars, denen er seine schlecht getexteten Schlager auf den durchdesignten Leib schrieb.
Es gäbe hier sicherlich noch dutzende weiterer Namen, deren Tod eher zum Jubel als zur Trauer anregt, aber man sollte an dieser Stelle einfach aufhören, um sich nicht den Abend dadurch zu verderben, dass man deren Namen auch noch im Gedächtnis herumträgt. Die genannten Beispiele sind wahrlich Zumutung genug. Schicken wir sie also mit einem fröhlichen „Fuck off“ in die imaginäre Hölle!
von Olaf Meiser - veröffentlicht in: Humor
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Sunday, 2. march 2008 7 02 /03 /März /2008 22:29
Unterwegs mit Flugzeug und Bahn
 
Unterwegs zu sein ist ja eigentlich was Schönes. Als Student bin ich ja selber auch immer mit der Bahn gefahren. Das war nicht unbedingt das Schlechteste. Ich konnte gemütlich in einem meiner Magazine lesen und schon ein paar Seiten später war ich dann in Bielefeld – also, wenn ich denn überhaupt ein paar Seiten geschafft habe, denn ich lese durchaus langsam. Als ich dann allerdings mein Studium beendet hatte, wurde mein Studentenausweis ungültig und ich habe aufgehört, mit der Bahn zu fahren – es wurde mir schlicht zu teuer. Auch auf die Gefahr hin, dass mich die Umweltschützer jetzt einen Verräter nennen oder sich andere schlimme Bezeichnungen ausdenken: Wenn es zu Fuß zu weit ist, fahre ich fast überallhin mit dem Auto, weil es schlichtweg günstiger ist. Außerdem habe ich im Auto Musik, die ich mir selbst aussuche und die deshalb in meinen Ohren fast immer besser klingt als der Scheiß aus dem MP3-Player meines Sitznachbarn.
Gut: Manchmal gibt es von der Bahn tolle Angebote, bei denen man dann für knapp 30 Euro eine Stadt anreisen kann, allerdings ist das oft mit einem Haken verbunden: Man nimmt dabei irgendwelche kruden Wald-und-Wiesenbahnen, in denen man dann aber auch tatsächlich den ganzen Tag unterwegs ist. Gut, jetzt könnte man sagen, freu Dich doch, da schaffst Du mal ein paar Seiten mehr in Deinem seltsamen Magazin. Stimmt aber nicht, denn da ist immer noch Freund Mitmensch vor, der leider auch in diesen Zügen unterwegs ist. Mit den meisten von denen möchte man ja eigentlich schon den Planeten nicht teilen müssen, aber einen Waggon, gar noch eine Sitzgruppe? Grässlich, oder?
Und das gilt nicht nur für die Nahverkehrszüge, die uns Studenten zugänglich waren. Das gilt leider auch für den Fernverkehr. Ich bin in meinem ganzen Leben ein einziges Mal mit dem ICE gefahren, von Bielefeld nach Berlin. Ich nahm meinen reservierten Platz ein und merkte schnell, dass dieser umgeben war von anderen Sitzplätzen. Diese Erkenntnis an sich kam jetzt nicht so überraschend, aber leider waren diese Plätze belegt von den Mitgliederinnen eines Kegelvereins: lauter gut gelaunte, hysterisch lachende Kölner Hausfrauen, die sich den Verpoorten und den Prosecco plastikbecherweise gaben und sich auch ansonsten exakt so aufführten, wie es ihnen die schlimmsten Klischeevorschriften vorgaben.
Da träumte mir zum ersten Mal von der 1. Klasse und angesichts der Fahrpreise stellte ich sie mir so recht wie ein Paradies auf Rädern vor: angenehm leise, die Gäste höchstens in gedämpfte Unterhaltungen vertieft, bei denen man dennoch heimlich die Ohren spitzt, weil sie geistreich und lehrreich auch für den heimlichen Zuhörer sind. Alles ist gediegen und hat mehr Stil, nein, es hat überhaupt Stil, denn mehr Stil musste in Hörweite der kreischenden Rheinland-Schabracken nicht unbedingt etwas Besonderes sein. Ich stellte mir vor, wie Menschen in großen, geräumigen Sesseln sitzen und sich ihres Daseins erfreuen, ohne es lautstark der Restwelt kundtun zu müssen. In einer Ecke spielt leise Richard Clayderman an einem extra für ihn aufgestellten Flügel aus dunklem Holz.
Umso ernüchternder war jetzt vor kurzem das Gespräch mit einer Kollegin, die 1. Klasse mit der Bahn gefahren war und mir davon im Vergleich zum Flugzeug berichtete, bei dem sie durch glückliche Umstände häufiger die Möglichkeit hatte, abseits vom schnöden Pöbel einfach mal in der Business-Klasse zu reisen, mit Passagieren, die sich völlig zu Recht peinlich berührt fühlen würden, wenn jemand klatscht, bloß weil der Pilot seinen Job tut und die Maschine heile auf die Erde bringt. Was mich mal interessieren würde: Erwarten Menschen, die so etwas tun, auch von ihren eigenen Kindern, dass sie klatschen, bloß weil sie in einem Stück bei ihren Freunden abgeliefert wurden?
Egal, zurück zu meiner Kollegin: Der Anfang ihrer Erzählung klang noch ganz viel versprechend und entsprach durchaus meinen Vorstellungen. Kaum hatte der Zug die Fahrt aufgenommen, wurde ihr schon ein Glas Sekt angeboten und routiniert sagten sie und ihr Gatte, die diesen Service aus dem Flugzeug gewohnt waren, ja. Blankes Entsetzen allerdings, als der Rechnungsbetrag für den Sekt direkt an Ort und Stelle eingetrieben wurde. Das kannten sie nicht aus dem Flugzeug, da gehörte das durchaus zum Service der Fluglinie, was den Passagieren der Business-Klasse auch gegönnt sei, immerhin haben sie dafür eine Menge Geld auf den Tisch gelegt. Und selbst in der Economy gehört dieser Service zumindest mit Getränken unterhalb der Château Bejaulais Kategorie mittlerweile weitgehend zum Standard. Ich stellte mir unwillkürlich vor, wie dieser Service dann wohl in der 2. Klasse des Zuges aussehen würde, wenn es ihn denn gäbe: Ein knurriger Schaffner stapft durch den Gang, bleibt an jeder Sitzgruppe stehen, rückt sich mit einer kurzen, entschlossenen Geste die Genitalien zurecht, zieht die Nase hoch und fragt dann knapp und militärisch: „Pils oder Leitungswasser?“ Vielleicht ist es besser, dass in der 2. Klasse keine Getränke ausgeteilt werden…
Gut, den Sekt muss man bezahlen, das wissen wir jetzt! Kommen wir zu weiteren Unterschieden: Was ist eigentlich, wenn man mit Kindern reist, welche die Bewegungen des Fahrzeugs nicht so gut vertragen und Probleme mit ihrem Magen bekommen? In Flugzeugen gibt es dafür praktische Tüten in jeder Rückenlehnentasche des Vordersitzes – in der Business-Klasse vermutlich sogar kindgerecht mit schönen bunten Motiven bemalt. Munch, der Schrei: „Siehst Du, kleiner Leon, der kämpft auch gegen die Übelkeit an!“ oder „Schau gut hin, kleine Natalie, solche Geräusche wie der Onkel auf dem Bild machen dicke Kölner Kegeldamen, die in der 2. Klasse ICE reisen, auch!“
Ob es in der 1. Klasse im Zug solche Tüten auch gibt, konnte mir die Kollegin leider auch nicht mitteilen. In der 2. Klasse ganz bestimmt nicht, da heißt es dann von dem Schaffner, demselben gescheiterten Offiziersanwärter von vorhin: „Ihrem Ableger ist schlecht? Dann halten Sie ihn aus dem Fenster, bevor er hier auf die Velourssitze kotzt! Das geht da nicht wieder raus!“ Man macht das und ist innerlich traurig, dass die Wagen der ersten Klasse sich fast immer weiter vorne befinden, damit die Passagiere dort das Gefühl haben, eher am Zielort zu sein. Jetzt ein offenes Fenster in einem Waggon dieser Klasse, der sich weiter hinten befände – was wäre das für ein Spaß, was würde das zur Stimmung beitragen? Ob der Geruch aus den dekadenten Sitzen der 1. Klasse leichter zu entfernen wäre? Harmlose Gedankenspiele der reisenden Unterschicht!
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Sunday, 2. march 2008 7 02 /03 /März /2008 22:24
Textanfang des Grauens

Ich hatte alles versucht. Die Narbe vom Schnitt über meinen Pulsadern war noch deutlich sichtbar, den Tablettencocktail hatte ich wieder ausgekotzt. Jeder Versuch, vor den Grausamkeiten dieser Welt zu fliehen war vergeblich. Und nun war es wieder so weit: Das Grauen hatte mich eingeholt, ich musste mich meinen finstersten Ängsten stellen. Missmutig zog ich meine alten Schuhe an, nahm die kleine Harke und den Eimer für das Unkraut.


(Fortsetzung folgt vielleicht irgendwann mal...)
von Olaf Meiser - veröffentlicht in: Humor
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Tuesday, 26. february 2008 2 26 /02 /Feb. /2008 21:44
Sommerfreuden oder: Die Pfütze
 
Eine Pfütze: Für uns nichts Besonderes. Nach einem Regenguss bildet sie sich aus dem Wasser, das zu dumm war, um von der Straße abzufließen und deshalb zur Strafe dort liegen bleiben muss. Wenn der Regen vorbei ist und die Sonne wieder die Erde wärmt, entwickelt sich eine Pfütze zu einem Freudenspender für kleine Kinder und einem Ärgernis für deren Mütter, die anschließend deren Kleidung wieder reinigen müssen. Kennen wir ja sicherlich alle! Auch eine große Pfütze ist nichts Besonderes, weil sie im Prinzip aus unserer Sicht genau so funktioniert wie eine kleine Pfütze, außer vielleicht, dass die Reinigung der Kinderkleidung hinterher etwas länger dauern dürfte.
Nun sind wir Menschen allerdings nicht die einzigen Lebewesen auf dieser Erde. Lenken wir unseren Blick doch einmal ins Kleine:
Was für uns nur eine Pfütze ist, würde von einem Insekt sicherlich als etwas wesentlich Größeres empfunden werden – vielleicht als ein See. Betrachten wir das Ganze einmal durch diese Augen und stellen uns die Pfütze als einen See vor.
Der Sandboden, auf den der Regen gefallen ist, liefert gleichzeitig auch einen tollen Strand. Und an diesen Strand kommt jetzt eine winzige, ganz klitzekleine Ameise. Sie ist guter Dinge, denn die Sonne scheint und sie hat ihr freies Wochenende. Jetzt packt sie ihre winzige, ganz klitzekleine Luftmatratze aus und bläst sie mit winzigen, ganz klitzekleinen Luftstößen auf. Dann greift sie in ihre winzige, ganz klitzekleine Tasche und holt ihre winzige, ganz klitzekleine Badehose heraus. Sie ist rot, mit weißen Punkten darauf, was vielleicht etwas albern aussieht, aber unsere Ameise ist ja allein an diesem Strand, so dass es letztlich auch egal ist. Sie zieht die Badehose an und setzt dazu ihre winzige, ganz klitzekleine Sonnenbrille auf. Ameisen leben in Gängen und verbringen noch weniger Zeit unter freiem Himmel als wir. Also greift sie zu ihrer winzigen, ganz klitzekleinen Flasche, in der sich eine winzige, ganz klitzekleine Menge Sonnencreme befindet – mit einem ganz riesengroßen, unglaublichen Sonnenschutzfaktor (bei uns unter der Markenbezeichnung Wollpullover bekannt), damit sie sich nicht einen ganz riesengroßen, unglaublichen Sonnenbrand holt. Sie schraubt den winzigen, ganz klitzekleinen Deckel ab und nimmt eine winzige, ganz klitzekleine Menge von der Creme auf ihre winzige, ganz klitzekleine Handfläche. Dann legt sie sich auf ihre winzige, ganz klitzekleine Luftmatratze, über die sie vorher ein winziges, ganz klitzekleines Handtuch gelegt hat.
Sie brät erst einmal in der Sonne, welche immer noch prall am Himmel steht. Darüber schläft sie ein. Nach einem knappen Stündchen wacht sie wieder auf. Inzwischen ist ihr Körper gut aufgeheizt. Um sich Abkühlung zu verschaffen, geht unsere Ameise an ihren See und stürzt sich in die Fluten. Sie schwimmt eine winzige, ganz klitzekleine Strecke hinaus. Dabei nimmt sie sich vor, beim nächsten Mal eine winzige, ganz klitzekleine Wasserrutsche zu bauen, oder doch zumindest am Ufer ein winziges, ganz klitzekleines Sprungbrett anzubringen. Ameisen können das. Sie sind fleißig und außerdem sehr talentiert im Bereich der Baukunst.
Da schwimmen sehr anstrengt, bekommt die Ameise nach kurzer Zeit Hunger, also schwimmt sie zurück an ihren Strand. Dort spannt sie erst einmal einen winzigen, ganz klitzekleinen Sonnenschirm auf, da ihr das Wasser die Sonnencreme abgewaschen hat. Sie greift nach ihrer winzigen, ganz klitzekleinen Kühlbox, und holt ein winziges, ganz klitzekleines Butterbrot und eine winzige, ganz klitzekleine Colaflasche heraus.
Irgendwann ist der Abend gekommen und die Ameise zieht ihre winzigen, ganz klitzekleinen Badelatschen an, um den Strand wieder zu verlassen. Dann geht sie nach Hause.
Irgendwann wird die Sonne die Pfütze wieder trocken gelegt haben. Was macht die Ameise dann? Nun, sie wird auf ihr winziges, ganz klitzekleines Fahrrad steigen, und zurück zu ihrem Bau sausen (ich wollte das Wort „sausen“ schon immer mal in einer Geschichte unterbringen!). Dabei wird sie strampeln, was ihre kurzen Beinchen, ihre winzigen... – aber das wisst Ihr ja mittlerweile selbst, was ihre Beinchen hergeben jedenfalls. Zu Hause setzt sie sich dann an ihren Schreibtisch und schreibt einen gaaaaanz langen Artikel für die ameisische GEO, in welchem sie die dramatischen klimatischen Auswirkungen des Ozonloches darlegt.
Wieso tut sie das? Nun, Ameisen werden nicht so alt wie wir, und wie oft erleben sie in ihrer kurzen Lebenszeit ein solches Austrocknen schon mit? Zum Vergleich: Wir würden ja auch einen Artikel erwarten, wenn z.B. plötzlich der Bodensee austrocknen würde. Selbst wenn es nur eine kleine Pfütze wäre, die nur einem Baggersee entspräche, so würde man doch wenigstens erwarten, dass sich die Lokalpresse darum kümmerte. Ist ja jetzt auch nicht weiter wichtig.
Unsere Ameise hat jedenfalls Glück: Für ihren viel beachteten Artikel bekommt sie einen winzigen, ganz klitzekleinen ameisischen Pulitzer-Preis. Bei den intelligenten Ameisen ist so ein geisteswissenschaftlicher Preis der Beginn einer großen Karriere. Und so macht unsere Ameise den großen Sprung nach ganz oben und die Spekulationen über ihr Privatleben, ganz besonders den Bereich des Liebeslebens, füllen regelmäßig die Seiten der ameisischen Boulevardpresse. Und auch wir sollten froh sein, unsere Augen auf die Pfütze gerichtet zu haben, denn dadurch konnten auch wir ein Stückchen vom Glanz der Prominenz für unser bescheidenes Leben erhaschen.
von Olaf Meiser - veröffentlicht in: Humor
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Monday, 25. february 2008 1 25 /02 /Feb. /2008 22:47

Worum wird es gehen?

Die meisten Texte, die hier eingestellt werden, sind dem Alltag entnommen, wie es sich für den Ursprungsgedanken eines Blog als öffentliches Tagebuch ja auch gehört. Es kann sich dabei zum einen um Erlebnisberichte handeln, zum anderen aber auch um Alltagsbeobachtungen und die entsprechenden Gedanken dazu. Ich neige dazu, mein Herz ein wenig auf der Zunge zu tragen und mein Schreibstil unterscheidet sich nicht großartig von meiner Sprechweise. Deswegen sollte der geneigte Leser darauf vorbereitet sein, dass hier auch schon mal derbere Aussagen fallen, deren Charakter aber satirischer Natur ist und über die man deshalb schmunzeln oder auch mal den Kopf schütteln sollte. Keineswegs ist es meine Absicht, hier Leute zu beleidigen (auch wenn es manchmal so erscheinen mag - das täuscht!).

Wird es lustig?

Ja, wenn man den entsprechenden Humor besitzt. Es wird Texte mit eher leisem Humor und auch bösartigere Artikel geben, weil ich meistens schreibe, wenn ich schlecht gelaunt bin.

Wer sollte lesen?

Alle Personen, die Spaß an Polemik haben, die bei Verbalschlachtungen lachen können und nicht gleich zum nächsten Betroffenheitsseminar rennen müssen, wenn eine Äußerung mal etwas garstig rüberkommt.

Feedback?

Ist erwünscht, ich versuche auch, selbst darauf zu antworten. Es gilt die Regel: Wie man in den Wald hineinruft...

Viel Spaß mit allem, was hier folgen mag!

von Olaf Meiser
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