Zwei Gedankengänge zu den Anschlägen in Brüssel

Veröffentlicht auf von Olaf Meiser

  1. Jede Art von Anschlägen, ob geplant oder tatsächlich durchgeführt, wird hinterher von den verantwortlichen Sicherheitspolitikern genutzt, um mehr Überwachung zu rechtfertigen. Soll diese Überwachung wirklich dem Schutz der Bevölkerung dienen? Sowohl die Attentäter von Paris als auch die von Brüssel waren den Behörden im Vorfeld bekannt. Man sollte also meinen, dass die Überwachung an sich funktioniert hat. Dennoch waren die verantwortlichen Stellen nicht fähig (oder willens), im Vorfeld Schritte zu unternehmen, die die Anschläge verhindert hätten. Die erste Annahme würde zeigen, dass die filigranste Überwachung nichts nützt, wenn die entsprechenden Informationen nicht sinnvoll miteinander verknüpft werden. Die zweite Annahme wäre bösartig, könnte aber durchaus im Interesse einiger Überwachungsbehörden liegen, denn ein durchgeführter Anschlag mit vielen Toten steigert natürlich die Akzeptanz für solche Maßnahmen in der Bevölkerung. Auf diese Weise werden die Attentäter zu den besten Propagandahelfern westlicher Sicherheitsbehörden, die ihren Bürgern im Gegenzug ein diffuses Gefühl der Sicherheit versprechen, dass sie aber, wie man sieht, mitnichten garantieren können.
  1. Für einen international agierenden Terroristen ist die Wirkung seines Attentats wesentlich wichtiger als die Zahl der Menschen, die er mit seiner Tat in den Tod reißt. So betrachtet war das geplante Attentat auf das Länderspiel in Hannover beinahe ein ebenso großer Erfolg wie die Anschläge in Paris, da die Medien ausgiebig über beide Vorfälle berichteten. Wie wäre es, wenn die Medien die Nachricht von einem Anschlag als eine Nachricht unter vielen des Tages abhandelten? Wenn es keine Sondersendungen und Programmumstellungen gäbe? Wenn die Buchstabengröße der Schlagzeilen eben nicht mindestens doppelt so groß wie sonst üblich gewählt würden? Kurz: Wenn der gewünschte Effekt, Panik in der Zivilbevölkerung zu schüren, nicht auch noch durch eine teilweise hysterische Berichterstattung unterstützt würde? Dann müssten die Taten einem Attentäter ebenso sinnlos erscheinen wie dem Rest der Welt. Nichts wird es mit dem erwünschten Ruhm, der popkulturelle Coolness-Faktor, mit dem Organisationen wie der IS ihre Kämpfer anwerben, würde nicht mehr so leicht greifen.

Um die beiden Gedankengänge zusammenzuführen: Tragen die Medien nicht eine Mitverantwortung an den immer enger geschnürten Überwachungsnetzen der westlichen Nationen? Steigern nicht auch sie durch ihre Berichterstattung die Akzeptanz in der Bevölkerung für immer neue Überwachungsmaßnahmen, die sämtlichen Gesetzen zum Datenschutz spotten? Die Einschränkung selbstverständlicher Freiheitsrechte wird irgendwann auch vor der freien Berichterstattung nicht mehr halt machen. Wer sich heute bereits als unabhängiges Medium freiwillig zum Erfüllungsgehilfen eines immer rigoroseren Sicherheitsapparates macht, wird morgen vielleicht schon nicht einmal mehr die Möglichkeit haben, wirklich frei und unabhängig berichten zu können.

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