Umstände, die sich eher mal störend auf das Liebesspiel auswirken
Ein gelungenes Tête-à-Tête ist einigen Bedingungen unterworfen, die man leider nur teilweise selbst beeinflussen kann. Da es aber sinnlos wäre, Unabänderliches kritisieren zu wollen, interessiert
uns im Folgenden nur, was man selbst tun kann, um die traute Zweisamkeit positiv zu gestalten, und vor allem: welche Fehler es dabei zu vermeiden gilt.
In einem Sexratgeber las ich einst den großartigen Tipp: „Hindernisse wie Regale am Kopfende oder spitze Kanten in der Nähe Ihrer ‚Spielwiese’ sind gefährlich und schränken die Bewegungsfreiheit
ein.“ (Wen es interessiert: „365 Sex Tipps“, erschienen bei Dumont, zur Kontrolle: Der Satz ist Teil von Tipp Numero 9). Das ist in seiner Offensichtlichkeit nicht nur sehr belustigend, der
Schreiber lässt auch außer Acht, dass es Menschen geben mag, die keine Bewegungsfreiheit brauchen. Wie sonst ist es zu erklären, dass das Auto als erotisch anregender Ort empfunden wird? (Ich
traue mich gar nicht daran zu denken, wie früher die Besitzer eines BMW Isetta gelitten haben müssen…). Außerdem mag es auch Menschen geben, die das Krachen von Holz / Metall auf Schädel als
sexuelle Bereicherung empfinden mögen...
Auch bei dem Paar, das sich in einem Kornfeld einander hingeben wollte, ist der Fehler offensichtlich. Zur Erntesaison sollte man halt vorher nach Mähdreschern Ausschau halten! Doch auch ohne die
Option, dabei in mundgerechte Stücke zerlegt zu werden, ist ein solches Kornfeld kein guter Ort für die körperliche Vereinigung. Es kreucht und krabbelt in solchen Feldern, und zwar durchaus
nicht immer in einer Art, die man auf der Haut als angenehm prickelnd empfinden würde. Da ich glaube, dass nicht nur Insekten- und Würmer-Fetischisten auf die Idee der Liebe unter freiem Himmel
kommen, seien hiermit die mahnenden Worte geschrieben: Überlegt Euch gut, worauf Ihr Euch einlasst!
Doch auch im trauten Heim gibt es einige Dinge, die man falsch machen kann. Dazu gehört vor allem alles, was die sog. „Stimmung“ zerstören könnte, wobei es natürlich sehr individuell ist, was man
sich unter „Stimmung“ vorstellen mag. Einzelne Personen mögen Teile meiner folgenden Ausführungen sicherlich deutlich anders bewerten als ich.
Beginnen wir mit der Beleuchtung und Beschallung. Extreme Metal-Spielarten rocken zwar ohne Ende, trainieren die Nackenmuskulatur und unter Umständen auch andere Körperregionen, sind aber in der
Regel schwer in auch nur ansatzweise erotische Bewegungen umzusetzen. Das Gleiche gilt für zu komplexe Spielarten wie atonale Klassik und alle progressiven Jazz-, Rock- und Metalsorten. Es vögelt
sich nicht gut im 7/4-Takt! Bei der Beleuchtung empfiehlt sich durchaus ein leichter Hang zur Plüsch-Romantik. Ein spartanischer Raum mit weiß gestrichenen oder gar gefliesten Wänden, beleuchtet
von kahlen Neonröhren, mag zwar einen 1A-Heimwerker-Keller oder eine schicke Wave-Disco im Stil der 80er Jahre abgeben, bei entsprechender Neigung könnte man hier noch einen OP-Tisch oder einen
gynäkologischen Stuhl hinein stellen, die Mehrheit der Leser wird diese Atmosphäre jedoch als wenig anregend empfinden. Techno- oder Drum’n’Bass-Rhythmen, bei denen das Licht stroboskopartig im
Takt blitzt, stellen die einzig noch verbliebene Steigerungsmöglichkeit dar.
Der größte und wichtigste Bereich, der beeinflussbar ist, liegt im zwischenmenschlichen Umgang. Da kann die Atmosphäre noch so aufgeheizt sein – wenn man sich abstoßend findet, dann wird trotzdem
nichts aus der schönen Erfahrung! Zwar soll hier angeblich Alkohol hilfreich sein, aber wie toll kann Sex sein, den man ob seines komatösen Zustandes gar nicht mehr mitbekommt? Und mit Verlaub:
Wenn man sich einen Menschen erträglich trinken muss, dann geht das nicht mit kleinen Mengen! Zudem birgt Freund Alkohol noch genug Gefahren in sich: Er macht zunächst einmal die Bewegungen
ungeschickt (der einzige Grund, warum es ein Vorteil sein kann, sich später an nichts mehr erinnern zu können!). Wenn das alkoholische Getränk dann auch noch mit Kohlensäure versetzt ist, dann
kann es auch noch zu einem unangenehmen Effekt kommen, der das Küssen zu einer Art unfreiwilliger Mund-zu-Mund-Beatmung werden lässt, wenn der betroffene Partner im Vollrausch den Kopf nicht mehr
rechtzeitig abgewendet bekommt. Auch hier ist noch eine Steigerung möglich, besonders wenn mehrere Alkoholika durcheinander getrunken wurden, aber dieses Thema hinterlässt nur einen ekligen
Nachgeschmack und soll deshalb hier nicht weiter behandelt werden.
Bei nüchternen Partnern sind die Probleme vor allem verbaler Natur. Ein falsches Wort zur falschen Zeit und der Liebesdrang nimmt deutlich ab. Betrachten wir einige Dialoge und ihre möglichen
Auswirkungen.
Viele Paare stehen ja angeblich auf den so genannten „dirty talk“, sich also gegenseitig irgendwelche Ordinaritäten an den Kopf zu werfen, während man der Minne frönt. Wer es mag – bitte schön,
aber dann sollte man auch so konsequent sein, vor anderen Leuten dazu zu stehen. So berichtete mir eine gute Bekannte, dieses Spielchen mit großer Lautstärke bei offenem Fenster (August!)
getrieben zu haben. Gut und schön, aber dann muss man auch das wissende Lächeln der Nachbarin am Folgetag mit Souveränität entgegen nehmen und darf sich nicht jedes Mal in Grund und Boden
schämen, wenn man ihr in den folgenden Wochen begegnet. Ich persönlich muss gestehen, dass mir ein Satz wie „So, jetzt fick ich Dich in Grund und Boden, Du geiles Luder!“ wohl kaum ohne
Gelächter, geschweige denn, in angemessener Leidenschaftlichkeit über die Zunge kommen würde. Vielleicht bin ich doch spießig?
Eines der bekanntesten Beispiele für misslungene Sätze beim Begatten ist die Situation, in der er auf ihr liegt und sie gedankenverloren zu ihm sagt: „Schatz, die Decke könnte auch mal wieder
gestrichen werden!“ Als Witz gemeint, lässt dieses innere Bild in mir einige Fragen aufkommen: Warum schaut die Frau ihren Mann nicht an, spricht ihn aber mit Kosenamen an? Hat er eine
Alkoholfahne? Hat sie einen steifen Nacken? Muss man sich in diesem Fall überhaupt in liebestechnischen Übungen ergehen? Kann man sich dann nicht vorher denken, dass es nicht besonders ergiebig
werden wird? Und falls sie gesund ist: Warum legt er sich nicht einfach auf den Rücken und zwingt sie zur Aktivität? Das würde ihren Blick auch von der Decke ablenken, was natürlich nur dann ein
Vorteil ist, wenn wenigstens die Wände noch einigermaßen ordentlich aussehen… Vielleicht ist die Frau auch Heimwerkerin – in diesem Fall müsste man dem armen Mann zur sofortigen Scheidung raten,
denn diese Spezies ist nicht beziehungsfähig, da sie nur in Projekten denkt. In der Tat sitzen in manchen geschlossenen Anstalten sozial zugänglichere Individuen als sie den durchschnittlichen
Baumarkt bevölkern. Ein Satz also, der in diesem Zusammenhang zutiefst verstörend wirkt!
Ein weiteres Prachtexemplar eines Menschen, dessen präkoitale Kommunikation eher abtörnend verläuft, ist der ehrgeizige BWL-Absolvent, im späteren Leben auch ehrgeiziger Manager genannt. Im
unerschütterlichen Glauben, alles organisieren zu können, und der daraus folgenden irrigen Annahme, dies auch wirklich tun zu müssen, ist er schon im Alltag recht unerträglich. So wird gerne
einmal versucht, die eigene Familie unter BWL-organisatorischen Gesichtspunkten effizienter zu gestalten, man betrachte hierzu Teile aus Loriots erschütterndem Doku-Drama „Pappa Ante Portas“! Er
befürwortet den Wettbewerb (der belebt schließlich den Markt) und vergleicht sich selbst bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit der Konkurrenz – natürlich nur so lange, wie er sich Chancen
ausrechnet, bei diesem Vergleich exzellent abzuschneiden. Das zieht sich bis in den Bereich der Intimitäten:
Er: „Na, ist das jemand ein ganz kleines bisschen erregt?“
Sie „Du aber auch…“
Er: (beharrend, wahlweise triumphierend): „Ja, aber fürs mich war’s schwieriger herauszufinden!“
Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige, und so wäre auch folgender Dialog leicht denkbar:
Sie (betritt in einem schier atemberaubenden Nichts von einem Stückchen Stoff den Raum)
Er: „Schatz, es ist drei Minuten vor zehn.“
Sie (irritiert): „Ja und?“
Er: „Also, bis fünf vor zehn wäre ja in Ordnung gewesen, aber Du weißt, ich gehe immer pünktlich schlafen!“
Es ist also überhaupt kein Wunder, dass so viele Frauen vom angeblich so lockeren Südländer träumen! Ein weiteres Problem, dass sich für diesen Menschentypen ergibt, ist sein prahlerischer Hang
zu Statussymbolen. Da er vor lauter Engagement nicht dazu kommt, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, muss die Individualität also in der Rolex oder dem dicken Auto ausgedrückt werden.
Kondome aus Gold mögen eine witzige Skurrilität sein, wenn der Kerl darauf besteht, dass sie bei der Vereinigung getragen werden sollen, wird jeder Anwalt hinterher auf Notwehr plädieren können.
Weiterhin gilt grundsätzlich: Je mehr der Mann in die Richtung „Klassischer Nerd“ driftet, desto mehr Toleranz wird seiner Partnerin abverlangt. Selbst wenn der Kerl die Coolness eines Quentin
Tarantino besitzen sollte: Dieser Mann schaut nach eigenen Angaben um die 200 Filme pro Jahr, da ist mit weiblicher Erziehung nichts zu wollen. Anders als diesen Regisseur kann man die meisten
anderen Nerds, speziell der Gattung „Computerfreak“ nicht einmal wegen ihrer Coolness bewundern. Selbst Filme zu drehen oder bei „World of Warcraft“ virtuell die mächtige Superwaffe erobert zu
haben, hat nun einmal nicht ganz den gleichen sozialen Stellenwert. Da bei solch psycho-sozial gestörten Individuen die Bekanntschaft mit einer Frau eher ins Reich der Sage zu verbannen ist, sind
folgende Beispiele natürlich rein hypothetisch:
Sie: „Kommst Du ins Bett, Süßer?“
Er (geistesabwesend): Ja gleich, lass mich nur noch eben schnell den Riesenkraken besiegen und die Prinzessin befreien…“
Gruselig, nicht? Auch der Versuch, an der Freundin die Helligkeit zu regeln oder einen Knopf zum Ein- und Ausschalten zu finden, erregt irgendwie Mitleid. Im letzteren Fall besteht aber immerhin
noch Hoffnung, denn immerhin weiß unser Freund, dass sein Computer einen Knopf zum ausschalten besitzt!
Jetzt sollte man nicht glauben, dass solche schröcklichen Eigenschaften eine rein männliche Angelegenheit wären. Alte Klischees, wie „Schuhe kaufen“ und „Soaps gucken“ mal außen vor gelassen,
betrachten wir eine unangenehme Eigenart, die dank Model-Castings immer mal wieder öffentlich diskutiert wird: Kalorien zählen. Ein anregendes Abendessen mit so einer Frau kann auch das genaue
Gegenteil der beabsichtigten Wirkung erzielen:
Sie: „Hier, probier doch mal den Gurkensalat. Selbst das Dressing hat nur ganz wenige Kalorien.“
Er (sagt): „Das ist toll, mein Engel…“
(denkt): „…wäre es zumindest, wenn es sich nur um eine Beilage handeln würde. Zum Glück war ich vorher bei Burger King!“
Auch „gesundes“ Essen dient nicht gerade der Stimmungsförderung. Grünkernbratlinge sind als Einleitung für leidenschaftliche Nächte schwer vorstellbar, irgendwie. Das liegt auch daran, dass hier
ein wenig das Gefühl der Dekadenz fehlt, welches einem solchen Essen gerne anhaften sollte. Niemand isst schließlich Austern wegen des Geschmacks, der Grund liegt wohl eher in ihrer Seltenheit
und der ihnen zugeschriebenen aphrodisierenden Wirkung. Möhreneintopf ist nicht selten und teuer, deshalb gilt er auch nicht als Aphrodisiakum, obwohl auch eher gewöhnungsbedürftig im Geschmack.
Es gibt natürlich noch weitere Typen, deren Liebesleben man sich eher nicht vorstellen möchte. Dazu gehört z.B. der schmutzige alte Mann, der immer noch den jungen Dingern nachsteigt. Da er aber
in der Regel schon in der Kennenlernphase scheitern sollte, braucht er hier nicht weiter vertieft werden. Ihm wird bei Gelegenheit mal ein eigener Text gewidmet werden. Es gibt auch andere
Menschen, die einem diese erste Phase erschweren. Dazu gehören zum Beispiel die EMNID-Chicks. Nicht weil sie schrecklich wären, eher im Gegenteil: Wenn man sie kennt, erhöht man seinen Anspruch
an die weibliche Restwelt um einiges (So, jetzt bin ich das auch endlich mal losgeworden!) und kann deshalb schon leicht bei der Suche nach etwas Angemessenem tragisch scheitern!
Damit meine werten Leser jetzt aber nicht alle Hoffnung fahren lassen, möchte ich den Text versöhnlich enden lassen. Es gibt auch Dialoge, die völlig unmöglich klingen, aber trotzdem
funktionieren. So klingt folgender Dialog, als ob sich beide Partner nicht mehr viel zu sagen hätten, doch zumindest bei uns in Ostwestfalen muss er als Musterbeispiel für gelungenes Liebeswerben
betrachtet werden:
Sie: „Und?“
Er: „Jau“