SMS-Tagebuch (Teil 1)

Veröffentlicht auf von Olaf Meiser

SMS-Tagebuch

 

Manchmal ist es ja auch ganz schön, wenn man dank der gestiegenen Speicherkapazität von Handys seine SMS über einen längeren Zeitraum speichern kann. Das gibt einem die Möglichkeit, später noch einmal auf die Nachrichten zu schauen und wie bei einem Tagebuch die wichtigsten Ereignisse der letzten Zeit noch einmal Revue passieren zu lassen.

Eigentlich bin ich ja nur begrenzt ein Freund dieser Kommunikationsform, denn es gibt leider Gottes Mitmenschen, die ganze Gespräche auf diese Weise führen wollen. Die dritte SMS beantworte ich dann meistens schon nicht mehr, weil ich mich frage, warum zum Henker der Trottel auf der anderen Seite nicht einfach mal anruft und die ganze Sache in kürzerer Zeit und zu geringeren Kosten zu klären versucht…

Dennoch: Die Erinnerungen und kleinen Anekdoten, die sich mit so einem SMS-Tagebuch verknüpfen sind manchmal schon schön. Hier einige Beispiele mit den dazu gehörenden Assoziationen und Gedankengängen:

 

Eingang: 13.10.08, Absender: Jan-Peter, mein Cousin und Mitbewohner

„Hey hab dein Toastbrot aufgegessen, nen bissl Nutella war auch dabei und scheiße ja, ich hab xy gefickt. Ich hoffe erstes und letzteres nicht schlimm, aber verzeihst du mir das Nutella?“

So kann einem das Leben halt mitspielen. Eigentlich war er etwas genervt von der guten Dame und sicher, dass ihm das NIE passieren würde. Nachdem ich das Nutellaglas überprüft hatte und festgestellt hatte, dass noch genug für mich übrig geblieben war, ist die Sache übrigens ohne Folgekonflikt über die Bühne gegangen.

 

Eingang: 5.11.08, 21:05: Absender Claudia

„Puh, erster richtig fieser Blues! Hier ist es kalt, ich bin müde und könnte gut jemanden gebrauchen, der mich wärmt, mir den Rücken krault und mich auf andere Gedanken bringt. Aber selbstgewähltes Schicksal! Deshalb gehe ich jetzt einfach stumpf ins Bett. Gruß Claudia“

Damit muss man halt rechnen, wenn man nach einer Trennung in eine eigene Wohnung zieht. Etwas verwundert hat mich, dass diese Nachricht zu mir kam. Wäre mein Cousin und Mitbewohner nicht der richtige Adressat für diese Nachricht gewesen, immerhin schwärmt sie doch eigentlich für ihn, oder? Doch zwei Minuten später die Entwarnung: Sie hatte es zur Sicherheit an uns beide geschickt…

 

Eingang: 16.11.08, 19:43; Absender: Jan-Peter

„Fuck Singstartime!!! Oh Scheiße, ist das schief! Keine Ahnung, was es sein soll, aber ich denke, gegen Ungeziefer hilfts!“

Da war ich wohl leider nicht zu Hause. Unsere Nachbarin ist eine begeisterte, wenn auch herzlich untalentierte Karaoke-Sängerin. Wenn es sie dann wieder überkommt, dann kann das schon mal zu solchen Leidenausbrüchen in ihrem unmittelbaren Umfeld kommen. Gut, dass ich an dem Abend bei Claudia zum Essen eingeladen war.

 

Eingang: 20.11.08, 20:43, Absender: Claudia

„Hallo. Jana ist bei Cornelius, die Wohnung ist leer und mein Date hat abgesagt L Fühle mich mies…“

Das ist auch so eine seltsame Eigenschaft. Andere schreiben einfach: „Hey, hättest du nicht Lust, vorbei zu kommen?“ Hier wird eine Leidensbeschreibung gegeben und dann gehofft, man würde sich von sich aus anbieten, diesen Freundschaftsdienst zu übernehmen. Ich habe dann lieber vorgeschlagen, doch am nächsten Tag in die Disco zu gehen, aber da hatte sie ihre Tochter schon wieder und konnte nicht weg, wie sie mir um 21:08 mitteilte.

 

Eingang: 20.11.08, 21:13 Absender: Claudia

„Na super, jetzt redest Du auch schon nicht mehr mit mir, buhu! Langsam zweifel ich nicht nur an mir und meinem Verhalten, sondern auch daran, ob ich wirklich die richtige Entscheidung für mich getroffen habe.“

Äh, Moment mal, Deine letzte Nachricht ist gerade mal vor fünf Minuten hier eingetrudelt.

 

Eingang: 20.11.08,21:23, Absender: Claudia

„Okay, hast du deinen Auftrag mir gegenüber auch erledigt – von wegen Umzug und Neustart? Kannst du ruhig sagen, hat Jan-Peter auch. Dann weiß ich wenigstens, woran ich bin und werde versuchen dich nicht mehr zu kontaktieren.“

Zehn weitere Minuten – so, jetzt reicht’s! Ich werde ja wohl mal duschen gehen können, oder? Himmel, Arsch und Wolkenbruch! Da kann man dann in seiner Antwort keine Rücksicht mehr auf Befindlichkeiten nehmen, das verlangt nach einer eindeutigen Klarstellung! Nach meiner Antwort, dass ich halt nicht dazu neige, mein Handy mit unter die Dusche zu nehmen, ist dann für diesen Tag auch erst einmal Funkstille. Mann, Jan-Peter, warum hast Du der Frau so eine Absage erteilt – jetzt mache ich hier den Hampelmann, der alle fünf Minuten auf so etwas antworten soll, oder was?

 

Ein kleiner Kommentar zwischendurch: Natürlich bekomme ich auch von anderen Personen Textnachrichten. Meist handelt es sich dabei jedoch um ganz normale Nachrichten der Kategorie „Montag Treffen an der Uni?“ Oder noch kürzer „Mo. Uni?“ (Haben Sie eigentlich nicht das Gefühl, Geld zu verschenken, Herr Gatzer? Immerhin wird die SMS nicht billiger, wenn man die 140 oder wie viel Zeichen auch immer nicht vollständig nutzt?) Dennoch werden diese SMS hier etwas vernachlässigt. Der geneigte Leser möge es mir nachsehen!

 

Eingang 21.11.08, 19:28, Absender: Claudia

„Es ist noch eine kleine Portion Nudel-Bolognese-Auflauf da. Jemand Interesse?“

Es ist ja nicht nur so, dass die Dame sehr kommunikativ ist, sie wohnt auch noch in unserer Nähe… Das Angebot für Essen ist allerdings immer ein sehr nettes! Dennoch musste ich an diesem Abend leider absagen.

 

Eingang 21.11.08, 20:11, Absender: Claudia

„Keine Ursache! Habe ja noch ein bisschen was gut bei dir. Was ist mit Kino nächsten Donnerstag? Schönen Abend noch. Grüße (auch an J.P.)“

Das ist schon fies, oder? Jetzt hat der gute Mann ihr eine Absage erteilt. Soweit ich weiß, hat auch sie seine Nummer aus ihrem Handy gelöscht. Das ist aber noch kein eindeutiges Trennungszeichen, denn dann werde ich halt als lustiger Grüßonkel eingesetzt. Gut, man kann das natürlich als ehrenvolle Aufgabe ansehen (der Bundespräsident und der Papst machen ja im übertragenen Sinne auch nichts anderes als den Grußbotschaften zu übermitteln), aber seltsam ist es schon irgendwie, oder?

 

Eingang 22.11.08, 20:46, Absender Claudia

„N’Abend. Hast du schon was vor oder kommste auf ein Glas Rotwein runter.“

Um den Punkt oben noch mal aufzugreifen: Ich bekomme wirklich auch von anderen Personen Nachrichten! Ich bin dann glaube ich auch noch auf eine Flasche Rotwein zu ihr gegangen. Denn das ist doch die Art von Einladung wie sie eigentlich aussehen sollte, oder? Man vergleiche mal mit der oben geschriebenen…

 

(Fortsetzung folgt…)

Veröffentlicht in Humor

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Kommentiere diesen Post

. 02/11/2009 21:33

Endlich unsterblich!

Ach ja: M. U.? ;-)