Der BLÖD-Leser und seine Weltsicht

Veröffentlicht auf von Olaf Meiser

Problemzone Welt

 

Ist es eigentlich dem normalen, halbgebildeten Leser der größten deutschen Boulevardzeitung zuzumuten, sich eine Meinung über den derzeitigen Zustand der Welt zu bilden? Da schießen auf einmal Probleme in einer Geschwindigkeit auf uns ein, die selbst die gute alte Tante ARD dazu zwingt, den kompletten Programmplan über den Haufen zu werfen und mit verlängerten Nachrichten und eingeschobenen Sondersendungen den Start ins Nachtprogramm schon mal um bis zu eine Stunde zu verzögern. Da brennt es auf einmal an allen Ecken und Enden, so dass es schwierig ist, bei allen Entwicklungen überhaupt ansatzweise den Überblick zu behalten. Und dann gibt es Menschen, die sich freiwillig darauf beschränken, ihre Informationen aus einem Blatt zu beziehen, dessen berühmt-berüchtigte kurze Sätze die Bildung einer sinnvollen Meinung unmöglich machen, da die Verkürzung von Informationen in aller Regel mit deren Mangel gleichzusetzen sind.

Wenn mir ein Weltbild gepredigt wird, dass ausschließlich aus schwarze und weiß besteht, dann bin ich irgendwann nicht mehr in der Lage, mich in einer bunten Welt zurechtzufinden. Die Reaktion der Leser (oder besser: Käufer, denn allein das Impressum z.B. der Zeit dürfte mehr Textzeichen umfassen als der Inhalt einer kompletten Ausgabe des Sinnlos-Blattes, womit sich der Begriff „Leser“ also erledigt haben dürfte…) lässt sich aus deren Gesprächen prima nachvollziehen. Wenn man richtig mutig ist und Lust auf Streit hat, dann kann man eine solche Diskussion auch selbst vom Zaun brechen – eine Tätigkeit, die ich an besonders stressigen Tagen gerne mal am Kiosk meines Vertrauens ausübe. Diese Reaktion nämlich ist ein absoluter Rückzug in ein provinzielles Weltbild, dessen Hauptaussage in erster Linie lautet: Lasst mich doch mit der verdammten Welt in Ruhe, ich habe genug eigene Sorgen. Klar: Wie kann man sich auch Gedanken um Zusammenhänge machen, die man gar nicht begreift?

Sollte eine Diskussion also daraus bestehen, einen solchen Leser zu überzeugen und ihm manche Dinge zu erklären – vor allem auch, warum es in einer globalisierten und vernetzten Welt kaum noch Probleme gibt, die sich auf einer rein nationalen (oder eben: provinziellen) Ebene abspielen? Falsch! Das Angebot an Zeitungen in diesem Land ist wahrlich groß und der Weg in die Uninformiertheit und Dummheit ist ein rein selbstgewählter! Besser (und angemessener) ist es also, sich arrogant und überlegen zu gebärden, Erklärungen und Diskussionsbeiträge mit einer gewissen Gönnerhaftigkeit von sich zu geben, wie man sie einem uneinsichtigen Kleinkind zugute kommen lässt, von dem man ebenfalls ahnt, dass es den tieferen Sinn einer Erläuterung wahrscheinlich gar nicht verstehen wird. Diese Menschen existieren einzig zu dem Zweck, dem Abbau der eigenen verbalen Aggressionen auf möglichst elegantem Wege zu dienen! Also beschimpft sie! Beleidigt sie! Aber macht es subtil – dann merken die das nie!

Veröffentlicht in Essay

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post