Die Fans

Veröffentlicht auf von Olaf Meiser

Die Fans

 

Hurra, es ist Fußball-WM! Das Land liegt im nationalen Freudentaumel, jedes Tor wird bejubelt, man schämt sich nicht, die alten Fähnchen wieder zu entstauben und erneut ans Auto zu stecken. Befeuert wird ein solch irrationales Verhalten durch die Massenmedien, die immer wieder die Fans ausgiebig in ihrer Berichterstattung berücksichtigen.

Ja, es stimmt schon: Ohne angemessene Stimmung geht einem Live-Spiel einiges verloren. Man möchte ja Lärm im Stadion haben, sonst hat man als Zuschauer immer wieder das Gefühl, der Mangel an Atmosphäre färbe auch auf die Qualität des gesehenen Spiels ab. Die Vuvuzelas in Südafrika stören in dieser Hinsicht die Übertragungen schon deutlich, denn dank des nervigen Getrötes herrscht in den Stadien permanent ein und der gleiche Lautstärke-Pegel, so dass man die Stimmungsauswirkungen der Handlung auf dem Platz überhaupt nicht wahrnehmen kann.

Doch bei allem Lob, und so ehrenhaft die Rolle des Stimmungsmachers im Hintergrund ja auch ist: Muss man den Pöbel derart in den Mittelpunkt rücken? Stimmungsberichte von Public-Viewing-Events, bei denen jubelnde Massen gezeigt werden, Interviews mit Fans, bei denen volltrunkene Gehirnspender unartikulierte Halbsätze ins Mikrofon grölen dürfen und Spielanalysen von Laien, bei denen Erfolge stets selbstverständlich kollektiviert, Niederlagen aber ebenso selbstverständlich in völliger Eigenabgrenzung auf die Mannschaft geschoben werden, lassen einen doch arg daran zweifeln, ob der Fußballfan als solcher ein sympathischer Mensch ist. Wenn so die vielbeschworene „Fan-Kultur“ aussieht, dann muss die Frage erlaubt sein, welcher Mensch auf die absurde Idee kam, diese beiden gegensätzlichen Wörter zu einem Kompositum zusammenzufügen.

Vor vier Jahren wurde anlässlich des großen Ereignisses im eigenen Land noch ein neuer, erfrischender Patriotismus bei den Bürgern ausgemacht. Dieses Jahr jedoch ist schwer davon auszugehen, dass im Falle eines vorzeitigen Ausscheidens die Fähnchen ebenso schnell wieder in den Keller gepackt werden, wie sie zu Beginn der WM an die Autos gekommen sind. Der Deutsche ist halt letztlich doch nur ein Schönwetter-Patriot. Obwohl… irgendwie ist das ja fast schon wieder beruhigend!

Veröffentlicht in Humor

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Moe 06/25/2010 08:27


Ist das wirklich Patriotismus? Würde irgendwer weniger Müll auf die Straße schmeißen, weil er sein Land so toll findet? Ich glaube ja das man diese ganzen Deutschland Fahnen eher als Wappen einer
Fußballmannschaft betrachten sollte, eine Mannschaft die alle mögen, weil alle sie mögen. Denn wenn man sich mit einer Mannschaft einig ist, hat man auch prima Gemeinschaftsgefühl und so...

btw. diese Tröten eignen sich prima um Bier zu trichtern :D


Olaf Meiser 07/04/2010 01:59



Wenn man durch diese Tröten Bier trichtert, machen sie ja wenigstens keine Geräusche... ;-)


Natürlich geht es um Gemeinschaftsgefühl, da gebe ich Dir vollkommen Recht. Meine Spitze richtet sich auch eher gegen (sonst durchaus seriöse und eigentlich zurechnungsfähige) Feuilletonisten,
die dabei einen Mut zum Patriotismus ausgemacht haben wollen...