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Dotti
Es war ein schöner Silvesterabend im Movie. Dotti hatte das Gefühl, ein wenig etwas über den Durst getrunken zu haben. Ein wenig orientierungslos stolperte sie über die Tanzfläche. Der Stoß, den sie gegen die Schulter bekam, tat reichlich weh. Etwas ärgerlich drehte sie sich um. Ihr Gegenüber starrte sie so ärgerlich an, wie sie es sich eigentlich umgekehrt vorgenommen hatte. War sie etwa in den jungen Menschen hineingelaufen? Zur Sicherheit, entschloss sie sich dann doch lieber zu lächeln und sich bei dem jungen Herrn zu entschuldigen. Dabei lief sie rückwärts in eine Gruppe und kam dabei ins Straucheln. Zwei, drei Tanzschritte noch, dann hatte sie rückwärtsgehend bereits wieder das Ende der Tanzfläche erreicht.
Silvester! Richtig ausgelassen feiern! Vielleicht hätte Dotti dabei nicht so dolle vorglühen sollen. Irgendwas hatte sie heute Abend vergessen, bevor sie sich auf den Weg in den Tanzschuppen gemacht hatte… Den angewiderten Blicken der anderen Gäste nach urteilen könnte es wohl ihr Deo gewesen sein. Vorsichtig versuchte sie, ihre Nase in Richtung Achselhöhle zu schieben, ohne dabei das Gleichgewicht zu verlieren. Ups… Ja, der komische Geruch auf der Tanzfläche schien seinen Ursprung tatsächlich von dort zu nehmen…
Egal, heute ging es ja wohl darum, gut drauf zu sein! Dotti torkelte in Richtung der Theke und bewaffnete sich mit einer weiteren Flasche Bier. Sie torkelte auf den Verfasser dieser Zeilen zu und sabberte ihm ein paar Zeilen ins Ohr, die wohl komisch gewesen sein mussten, jedenfalls lachte sie danach herzlich über ihre eigene Bemerkung. Der Verfasser dieser Zeilen versuchte, in der Mischung aus Schweiß und Bierfahne verzweifelt zu atmen und stellte sich die Frage, ob das Rauchverbot in Discos und Clubs denn wirklich den gewünschten Effekt einer Verbesserung der Luftqualität mit sich gebracht hatte. Erleichtert beobachtete er, wie Dotti sich schon kurz darauf bei einem anderen Menschen auf der Tanzfläche entschuldigte, den sie kurz zuvor angerempelt hatte.
Dotti versuchte nun, ihre gute Laune endlich auf die anderen Partygäste zu übertragen, indem sie sich vor sie stellte und deren Tanzstil imitierte. Der Erfolg war bescheiden, es wollte bei den anderen Gästen absolut keine gute Laune aufkommen. Manche schafften es, sie einfach zu ignorieren, die meisten reagierten mit einem genervten oder unverständigen Kopfschütteln, einige wechselten ihre Position auf der Tanzfläche, um dem blonden Bombe zu entkommen.
Und dann war da ja noch der junge Mann, der sich an ein attraktives junges Mädchen herangeschmissen hatte. Dotti nahm das nicht wahr, sie torkelte auf den jungen Mann zu und erzählte auch ihm ein paar heitere Zeilen. Die junge Dame, das eigentliche Objekt der Begierde, schaute etwas irritiert. Der junge Mann schaute etwas genervt, spätestens als Dotti ungefähr eine Minute später wieder vor ihm stand und sich erneut an ihn heranwarf. Jetzt machte er einige eindeutige Gesten, die Dotti bedeuten sollten zu verschwinden. Dotti jedoch deutete die Gesten als Tanzbewegungen und imitierte begeistert, was sie bei dem jungen Mann sah. Davon abgesehen: Was wollte der Mann denn mit so einem jungen Mädchen? Erfahrung war es doch, die sein Liebesleben weiter voranbringen konnte. Und davon besaß Dotti reichlich. Wahrscheinlich hatte sie schon irgendwelchen Kerlen als Spermaklo gedient, als der Jungspund ihr gegenüber noch nicht einmal geboren war. Und wenn dann auch noch Alkohol im Spiel war, so wie jetzt, dann verlor sie alle Hemmungen. War ihr doch egal, dass sie doppelt so alt war wie er! Sie versuchte, ihren Arm um den jungen Mann zu legen, was auch diesen letztlich zur Flucht veranlasste. Zurück blieb das junge Mädchen, dessen Gesicht man nicht genau entnehmen konnte, ob sie ärgerlich oder doch ganz erleichtert war, den aufdringlichen Freier losgeworden zu sein.
Irgendwie kam ihr das aktuelle Bier etwas säuerlich vor. Oder hatte sie aufgestoßen? Das unangenehme Gefühl in ihrer Kehle deutete auf die zweite Möglichkeit hin. Bitterer Speichel sammelte sich unter ihrer Zunge, ein untrügliches Zeichen dafür, dass das Bier sich wohl noch einmal bei ihr melden würde. Mit unsicheren Schritten taumelte Dotti in Richtung der Toiletten. Dort stand sie fasziniert vor den Türen und vermochte die Zeichen nicht zu deuten. Es war wohl eher Glück, dass sie tatsächlich den Eingang zur Damentoilette erwischte.
Hier verliert sich aus Sicht des Verfassers dieser Zeilen Dottis Spur, denn danach ward sie zum Glück nicht mehr gesehen. Es steht dringend zu vermuten, dass der Besuch der sanitären Anlagen sie olfaktorisch auch nicht wirklich vorangebracht hat. Auch dürfte es schwierig für sie geworden sein, einen Taxifahrer zu finden, der sie in diesem Zustand nach Hause befördert hätte.
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