Frühlingserwachen

Veröffentlicht auf von Olaf Meiser

Frühlingserwachen

 

So, der Winter, die blöde Sau, scheint sich für dieses Jahr endgültig zurückgezogen zu haben, und wie es so ist: Mit dem Frühling kommen auch Sonne und angenehme Temperaturen in unsere Herzen zurück. Eigentlich könnte man diese Nachricht zur Kenntnis nehmen und beglückt über so viel Stimmungsaufheller in der Natur wieder zum Alltag zurück kehren.

Nun lässt sich aber wieder einmal beobachten, dass mit dem Aufkommen der ersten Sonnenstrahlen und aushaltbarer Temperaturen am Abend (von angenehm will ich mal lieber noch nicht sprechen) die Massen meinen, jetzt wieder unbedingt mal raus an die frische Luft zu müssen. Das betrifft auch Menschen, bei denen man es gar nicht mal bedauern würde, wenn man sie einfach hinter verschlossenen Türen ließe. Pärchen liegen, die Gesichter fest aneinander gepresst, auf Parkwiesen, ein Zustand, den sie auch daheim erleben könnten, schließlich genügen Liebende sich ja bekanntlich selbst.

Eigentlich könnte man sich darüber herrlich aufregen, jedoch ergibt sich an dieser Stelle ein moralisches Dilemma: Ich gehe selber gerne vor die Tür, jetzt, wo man sich draußen wieder wohlfühlen kann. Ich finde es toll, mich an einem sonnigen Tag unter blauem Himmel aufzuhalten. Angesichts der Massen, die diese Gefühle scheinbar teilen, tut sich bei mir allerdings eine Sorge auf: Bin ich damit schon Mainstream? Für andere Menschen dürfte ich ja schließlich auch nichts anderes sein als nur ein Gesicht unter sehr vielen, das sich bei schönem Wetter gerne im Freien aufhält und verzweifelt versucht, etwas Farbe zu erhaschen. Okay, das würde mich in anderen Situationen auch nicht sonderlich stören, aber jetzt: Mainstream? Das ist kein schönes Wort, das ist auch keine gesellschaftliche Gruppe, deren Mitgliedschaft mir besonders erstrebenswert erschiene. Aber es muss ja so sein: Schließlich verhalte ich mich nicht anders als die breite Masse.

Dieser Selbstzweifel lässt setzt dann eine rastlose Suche nach Alternativen in Gang. Die scheint es bei dieser Problematik aber nicht zu geben. Was wären denn Alternativen? Regenspaziergänge? Nur noch in starkem Nebel raus, der wenigstens einen Teil der Massen verschluckt? Eine Vorliebe für kaltes zugiges Wetter entwickeln? Ist ja auch alles irgendwie nicht schön. Dann schon lieber Mainstream, zumindest bei schönem Wetter!

Veröffentlicht in Humor

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post