Friday, 30. september 2011 5 30 /09 /Sept. /2011 02:09

Heimweg-Impressionen, Sonntagmorgen kurz vor fünf

 

Raus aus der Disco, ab zum Jahnplatz. Den Weg durch die Fußgängerzone. Vor dem Eingang zu einer Einkaufspassage zwei Männer mit Migrationshintergrund, die sich angeregt unterhalten. Herzliche Verabschiedung, dann torkelt der eine auf mich zu und fragt: „Kennst Du den Typen vielleicht?“ „Wieso ich? Habe ich mich etwa mit ihm unterhalten?“ „Ich weiß, dass ich mich mit ihm unterhalten habe, aber ich weiß trotzdem nicht, wer das ist!“ Typ torkelt weiter. Kopfschütteln. Am Jahnplatz die bittere Erkenntnis: Der nächste Nachtbus fährt erst in einer halben Stunde. Also den Weg durchs nächtliche Bielefeld Richtung heimischer Wohnung zu Fuß fortgesetzt.

Auf dem Rathausplatz ein Schatten. Beim Näherkommen setzt beim Schatten eine heftige Atmung ein. Schatten entpuppt sich als junge hübsche Frau, die offenbar ein Problem mit der Kapazität ihrer Blase hat und sich mitten auf dem Platz Erleichterung verschafft. Soll sie da hocken bleiben, ich richte meinen Blick starr geradeaus über sie hinweg. Überlege, ob ich die Situation befremdlich finden oder die junge Frau für ihren Mut bewundern soll. Die hektische Atmung spricht eher gegen das Bewundern. Statt unaufdringlich in der Hocke zu bleiben, springt die junge Frau auf einmal auf und versucht, sich eilig aber erfolglos den Tanga hochzuziehen. Dabei gibt sie den Blick auf ihre untere Frisur frei bzw. deren völliges Fehlen. Hocken bleiben hätte mir weniger Einblicke verschafft. Entscheide mich, die Situation doch lieber befremdlich zu finden…

Auf dem Gehweg vor mir streitet ein Pärchen. Die Argumente sind dumm, aber dafür lautstark vorgetragen. Scheint sich eher auf emotionaler als sachlicher Ebene abzuspielen. Es geht um die Freundin x die sie nicht angerufen hat, obwohl er über die ganze Sache schon Bescheid weiß. Klingt dämlich und das ganze zehn Minuten lang, da sich die beiden sowohl auf meinem Weg als auch in meinem Tempo bewegen. Denke angesichts des kommunikativen Desasters vor mir über Sarrazins Äußerungen bezüglich der nachlassenden Qualität unseres Genpools nach. Beginne zu glauben, dass er vielleicht doch Recht hat. Verfalle in Selbstekel.

Endlich zu Hause. Den Schlaf habe ich mir jetzt redlich verdient!

von Olaf Meiser - veröffentlicht in: Humor
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