Kumpeltyp 1 - Die Analyse

Veröffentlicht auf von Olaf Meiser

Der Kumpeltyp

 

Der Kumpeltyp – das klingt zunächst nach netter Gesellschaft, aber nichts da: Der Kumpeltyp ist ein Arsch! Nicht für andere, die wissen diese Eigenschaft an einem Menschen mit Sicherheit zu schätzen. Aus meiner Sicht hingegen ist er ein finsterer Teil der Seele, der einem in den ungeeignetsten Augenblicken das Leben schwer macht.

Der geneigte Leser mag es schon ahnen: Es geht um Frauen! Es geht ums Kennenlernen, es geht um das, was sich aus einer Bekanntschaft entwickeln kann – und vor allem darüber, was sich nicht eben nicht daraus entwickelt. Der Kommentar von Bani zu meinem letzten Text über die Kuppelversuche hat mich nachdenklich gestimmt. So will ich mich also an einer Analyse versuchen, welches eigentlich genau der Moment ist, in dem sich bei Bekanntschaften alles ganz fürchterlich in die falsche Richtung entwickelt. Vielleicht gewinne ich ja neue Erkenntnisse – oder ich werde depressiv, mal schauen…

Man stelle sich also vor: Man lernt eine Frau kennen! Problemlos, also abhaken. Vielleicht unterhält man sich ganz nett mit ihr… In der Regel auch kein Problem, bis auf die Fälle, in denen man feststellen muss, dass man völlig inkompatibel mit seinem Gegenüber ist. In diesem Fall empfiehlt sich der geordnete Rückzug. Wir gehen aber davon aus, dass das Gespräch einen positiven Verlauf nimmt. Man entdeckt also sein Interesse an seinem Gegenüber und glaubt, auch von der anderen Seite aus ein gewisses Interesse zu verspüren. Ein schöner Moment eigentlich – außer, man hat den Kumpeltyp in sich wohnen.

Denn nun gewinnt dieser Widerling die Handlungsmacht und lenkt die ganze schöne Situation mit sicherer Hand auf den unbefriedigendsten möglichen Weg. So hält man sich bewusst zurück, weil man ja auch gegenüber der Dame als Gentleman erscheinen möchte. Das freut die Dame, weil sie die Aufmerksamkeit des Gegenübers genießen kann, ohne sich zu irgendwas gedrängt zu fühlen. Leider freut es auch die männliche Konkurrenz, die da wesentlich skrupelloser ist und in der Regel die Lorbeeren abgreift, die man sich gerade zu erarbeiten versucht. Und schon ist man in der Rolle des „guten Freundes“. Und das ist doof!

„Nun mal langsam“, mag vielleicht an dieser Stelle der eine oder andere mit einer philanthropischen Grundeinstellung gesegnete, unverbesserliche Optimist sprechen, „Freundschaften sind doch etwas Wundervolles! Jeder Mensch, der einen guten Freund hat, ist doch ein Glückskind.“ In jeder anderen Situation würde ich diesen Satz auch unterschreiben. In diesem Fall haben die Optimisten aber Unrecht. Zwei Gründe sprechen gegen ihren Gedanken. Erstens: Im Normalfall ist die „gute Freundschaft“ nichts weiter als ein Synonym für das allmähliche Im-Sande-verlaufen-lassen des Verhältnisses zueinander. Zweitens: Selbst, wenn daraus irgendwie tatsächlich eine Freundschaft entstehen sollte, so verlangt sie doch der einen (dummerweise der eigenen) Seite einiges an Leidensfähigkeit ab, denn die Freundschaft war ja nicht das ursprünglich angestrebte Ziel. Das Gefühl, das dabei entsteht, hat – wenn auch auf den Sport bezogen – der große Eric Meijer auf den Punkt gebracht: „Nichts ist scheißer als der zweite Platz!“

Und man sollte als guter Freund einiges aushalten können, denn man ist dann nicht nur Mensch, der in der Angelegenheit das Nachsehen hat, sondern der sich im schlimmsten Fall auch noch die Geschichten anhören muss, die einem vorgejammert werden, wenn es mit Mister „Ich war halt schneller“ mal nicht ganz so gut läuft. Und weil man ja etwas für sein Gegenüber empfindet, hört man sich das ja auch noch wirklich an. Richtig wäre es natürlich, zu sagen: „Du hast Dich für den Blödmann entschieden, jetzt sieh zu, wie Du mit ihm klar kommst!“

Macht man aber nicht, man ist ja nett (was aber nur ein innerer Steuerungsfehler durch diesen fiesen Kumpeltypen ist). Und weil man so nett ist – und so viel Vertrauen genießt - kann dann auch noch der andere schlimmste Fall eintreten: Man bekommt über die Qualität der Beziehung vorgeschwärmt, vielleicht sogar noch über die Bettqualitäten des missliebigen Konkurrenten. Eigentlich ist dies das absolute Worst-Case-Szenario, denn im Gegensatz zur Jammerei bietet sich einem hier nicht einmal die Möglichkeit, sich in unausgesprochene Schadenfreude zu flüchten. Entweder sollte man also eine Leidensfähigkeit entwickeln, die nahezu übermenschlich ist, oder die Fähigkeit, komplett abzustumpfen.

Gut, Teil eins sei hiermit abgeschlossen. Die Analyse sollte klar gemacht haben, dass es nicht erstrebenswert ist, sich allzu sehr in Richtung Kumpeltyp zu entwickeln. Im Gegenteil, es macht einem das Leben zur Hölle, wenn man auch nur einen Funken an Selbstreflexion besitzt. Ergo: Der Kumpeltyp muss bekämpft werden! Wie man hierbei am besten vorgeht, darum soll sich der zweite Teil dieser Überlegungen drehen: demnächst in diesem Theater!

Veröffentlicht in Humor

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Moritz 07/05/2012 11:20

Siehe http://encyclopediadramatica.se/Friend_Zone :D