Kuppelversuche

Veröffentlicht auf von Olaf Meiser

Kuppelversuche

 

Richtig Spaß macht es auch, sich von Bekannten einfach mal verkuppeln zu lassen. Nicht dass deren Versuche an mir bislang allzu erfolgreich gewesen wären (ich würde ziemlich genau zwei Partnerschaften zur Hälfte darauf zurückführen – zumindest unter dem Kriterium, dass der/die Kuppler/In dies auch beabsichtigt hätte), aber es gibt einem tiefe Einblicke in die Gedankenwelt des eigenen Freundeskreises.

Wenn man dem Kuppler einmal gute Absichten unterstellt (was man bei Freunden ja durchaus tun kann), dann verrät seine Vorabauswahl doch einiges darüber, wie er einen denn so einschätzt. Dabei können sich mitunter ganz verblüffende Differenzen mit dem Selbstbild ergeben. Wahlweise erkennt man an diesen Versuchen auch, wenn der kuppelnde Bekannte eine Lebenseinstellung hat, die von der eigenen doch deutlich abweicht.

Weil die gelungenen Versuche weniger Spaß machen, möchte ich hier einige der spektakulärsten Misserfolge auflisten – und auch gleich zeigen, woran die Sache scheiterte. Um niemandem vor den Kopf zu stoßen, verzichte ich mal auf die Nennung von Namen.

Erstes Beispiel:

Eine Freundin von mir, die in einem etwas biederen Spießer-Idyll einer Kleinstadt ihr großes Glück gefunden hat, unternahm nun den Versuch, auch mir dieses Glück zu verschaffen. Aus ihrer Sicht verständlich, denn selbst würde sie sich keinesfalls als bieder bezeichnen, sondern wohl eher behaupten, sie stünde mit beiden Beinen im „richtigen“ Leben (was auch immer sie sich darunter vorstellen mag).

Nun lernte ich also eine Dame aus ihrem Freundeskreis kennen (auch gerade solo, wie mir gleich bei der Vorstellung versichert wurde), nennen wir sie der Einfachheit halber einfach mal Elisabeth. Elisabeth war vom Typ „solides Landmädel“, ein freundlicher, sonniger Charakter, keine Frage, aber leider auch mit einem Weltbild, das jenseits der Bäume ihrer ländlichen Umgebung endete. Unter „Kulturveranstaltungen“ verstand sie solche Events, wie das jährlich wiederkehrende Schützenfest, das mit Schießen nicht unbedingt etwas zu tun hatte, sondern dessen Hauptzweck es wohl war, dass sich kernige, leicht kartoffelig aussehende junge Landbuben an die Theke stellten und sich zu dröhnendem Schlagerquatsch ganz fürchterlich viel Alkohol in die für das junge Alter bereits beträchtlich ausgebildeten Bäuche gossen. Dazu animiert wurden sie von ihrer Elterngeneration, die ebenfalls den Eindruck erweckte, in ihrer Jugend einmal so ausgesehen zu haben, nun aber deutlich zeigten, dass es menschlich selbst dann noch bergab gehen kann, wenn man bereits so weit unten gelandet ist.

Und ausgerechnet eine solche Veranstaltung suchte sich Elisabeth nun aus, um mir noch vor dem ersten Treffen unter vier Augen ihre Lebenswelt zu präsentieren. Zunächst stellte sie mir eine Reihe von kartoffeligen jungen Menschen vor, deren Namen ich entweder nicht verstand oder sofort wieder vergaß. Erinnerlich ist mir jedoch, dass jeder von denen mit dem Attribut „der ist auch immer voll gut drauf“ vorgestellt wurde. Ein Freundeskreis aus geklonten Kartoffeln also, die allesamt durch dieselbe Charaktereigenschaft glänzten. Als Elisabeth in diesem konservativen Dorfmilieu dann auch noch einige starke Tendenzen zu rechtem Gedankengut zeigte, ergriff ich so schnell wie möglich die Flucht.

Beispiel 2:

Dieses Beispiel beruht eigentlich gar nicht so sehr auf einer Fehleinschätzung, was meine Person angeht sondern auf einem völlig falschen Bild der anderen Person, die bei einem Kuppelversuch ja ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Mich plagte mal wieder die Einsamkeit und einem Freund von mir fiel ein, dass er da ja noch eine Kollegin hätte, die eben eine Trennung hinter sich gebracht hätte. Gesagt, getan, auf einer Feier wurden wir in ein Gespräch verwickelt. Vorher hatte ich noch die Instruktion bekommen, mich ein wenig zurück zu halten, da sie „ein wenig schüchtern“ sei.

Nun, in der Tat strahlte die Dame eine gewisse Ruhe aus, allerdings beruhte ihre Schweigsamkeit mitnichten auf Schüchternheit, sondern eher aus einer morbiden Verachtung für andere Menschen. Nun sind morbide Menschen ja durchaus sympathisch, also unterhielt ich mich mit ihr und merkte bereits während dieses ersten Gesprächs, dass ich dabei von meinem Gegenüber ziemlich eingehend gemustert wurde.

Ich muss zugeben, dass mich dieser Blick in gewisser Weise elektrisierte und da sie nicht abgeneigt schien, verabschiedeten wir uns von der feiernden Gemeinde, um einen kleinen Spaziergang anzutreten. Bereits während dieses Spaziergangs wurde die junge Frau immer anhänglicher und so traute ich mich schließlich sie zu küssen. Der Kuss war schön, bis sie mir ziemlich derbe in die Lippe biss, bis aufs Blut, das sie mir anschließend abzulecken versuchte. Eine kurze Weile versuchte ich tolerant zu sein und mich auf dieses Experiment einzulassen, allerdings merkte ich bereits nach kurzer Zeit, dass meine Lippe durch den Biss enorm anzuschwellen begann. Als sie erneut zubiss, wurde mir klar, dass der erste Biss kein Unfall gewesen war und ich thematisierte den unprofessionellen Einsatz ihrer Zähne. Daraufhin eröffnete sie mir, dass sie einen Fetisch für den roten Saft hätte und sich durch meine Toleranz für den ersten Biss angespornt gefühlt hatte. Im unglücklichen weiteren Gespräch versuchte sie mich davon zu überzeugen, dass bei ein wenig Schmerzunempfindlichkeit (die ich mir ja antrainieren könne) sehr leidenschaftliche Bettszenen daraus entstehen könnten, sie würde das Messer auch nur an den Stellen einsetzen, die ich im Alltag mit Kleidung bedecken würde. Da wurde sie mir dann doch so unheimlich, dass ich doch lieber auf weitere Treffen verzichtete.

Drittes Beispiel:

Dieses Beispiel kann man in wenigen Worten zusammenfassen und ich bin der Meinung, dass der kuppelnde Freund das Problem auch vorher schon hätte bemerken können. Es gibt ja das Klischee vom ungewaschenen Macho-Typen, der ein bisschen siffig ist und dadurch eine Form von Männlichkeit ausstrahlt, die bestimmte Frauen anspricht. Das Problem war nun nicht, dass sie Männlichkeit ausstrahlte, aber mit der Hygiene hatte sie es auch nicht so. Es ist schön alles zu teilen, aber beim Küssen vorgekaute Essensreste aus dem Mund der Frau zu fischen, weil sie halt mal gerade keine Zahnbürste zur Hand hatte (offenbar schon seit mehreren Tagen), und auch die Haut einen teigigen Teint hatte, der gewiss nicht vom Duschgel kam, war dann halt doch nicht so meine Sache.

Viertes und letztes Beispiel:

Eine weitere Freundin von mir hatte sich den Satz gemerkt, dass ich eine Vorliebe für Frauen besitze, die ein deutliches Selbstbewusstsein ausstrahlen. Und so glaubte sie, eine ideale Partnerin gefunden zu haben, nämlich eine ihrer Freundinnen, die wir hier einmal Gesa nennen wollen. Es ergab sich von meiner Seite aus nicht einmal der Versuch eines romantischen Tête-à-Tête, obwohl Gesa eine wirklich elegante Erscheinung war. Ihr gesamter Auftritt hätte durchaus dem Katalog eines Typberaters entsprechen können, denn Gesa war, was man halt eine Karrierefrau nennt. Bereits ihr etwas abschätziger Blick auf meine doch eher legere Kleidung erfüllte mich eher mit Abneigung, und auch sie schien zu dem Schluss zu kommen, dass sie mich nicht weiter ernst nehmen brauchte.

Den weiteren Abend über stellte sich Gesa in den Mittelpunkt unserer kleinen, aus sechs Personen bestehenden Gruppe (zwei Paare, Gesa und ich – die Konstellation war von der Gastgeberin sicherlich gut gemeint gewesen.). Dagegen wäre ja nichts einzuwenden gewesen, wenn sie nicht die ganze Zeit von ihrer ach so interessanten Arbeit erzählt hätte, mit Stress hier und glücklichen Kunden dort. Als ich mich mit der Gastgeberin in die Küche zurückzog, strahlte sie mich an und war der Meinung, hier doch einen Volltreffer gelandet zu haben. Aus ihrer Sicht verständlich, war sie doch bereits seit längerem der Meinung, ich müsse etwas „seriöser“ werden. Hier war die Frau, die mich in die richtige Richtung lenken würde. Da sie die atmosphärischen Störungen zwischen Gesa und mir gar nicht bemerkt zu haben schien, versprach ich, mich um eine lebhafte Konversation mit ihr zu bemühen. Das tat ich dann auch, indem ich Gesas selbstverliebten Vortrag fortan mit frechen Kommentaren bombardierte, die schließlich zu einer lautstarken verbalen Auseinandersetzung führten. Die Stimmung war im Eimer, der Abend war gelaufen.

Fazit:

Dabei will ich es bewenden lassen, nicht, ohne zu erwähnen, dass ich meinen Freunden und Bekannten für ihre Bemühungen trotzdem sehr dankbar bin. Ich weiß, sie meinen es nur gut mit mir und auch, wenn bislang noch nichts Dauerhaftes daraus geworden ist, so habe ich diesen Begegnungen doch zumindest einige sehr interessante Erfahrungen bzw. amüsante Momente zu verdanken.

Veröffentlicht in Humor

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Bani 06/27/2012 12:33

Nun bleibt die Frage: Welche Frau soll es denn sein?! Sie haben ja im Prinzip alle Typen gehabt. Viel bleibt da nicht mehr....;-)
Aber ich weiß was Sie meinen....mir wurden auch schon diverse Menschen vorgestellt, wo ich danach daran zweifelte, ob meine Mitmenschen überhaupt wissen wer ich bin, oder zumindest wer ich gern
wäre^^
Da bleibt nur die Eigeninitiative, die super wäre, wenn man dazu die Eier hätte!

Olaf Meiser 06/30/2012 01:58



Stimmt, Eier haben, kann sich manchmal bitter rächen :-)


Vielleicht sollte ich einfach meine masochistischen Neigungen entdecken - dann wären einige der Begegnungen doch geradezu paradiesisch...