Nachtrag zum Umzug

Veröffentlicht auf von Olaf Meiser

Nachtrag zum Umzug

 

Die Welt war gegen mich, doch ich habe gesiegt. Umziehen im November ist definitiv kein Hobby für kleine Mädchen. Ein bisschen war dieser Umzug so, wie ich mir den Schulweg meines Opas immer vorgestellt habe: Es hat grundsätzlich geregnet, es war immer dunkel und zusätzlich gab es auch noch weitere schlimme Umstände. Ich bin mir sicher, dass ich solche Geschichten später auch zur Erbauung und Belehrung an meine eigenen Enkel weiter tragen werde, falls ich jemals welche bekommen sollte (an dieser Stelle sei noch einmal auf den immer noch aktuellen Aufruf von vor ein paar Monaten hingewiesen! Wenn Du weiblich bist, keine Angst vor einem leicht neurotischen Tagträumer hast und auch gerade über künftigen Nachwuchs nachdenkst: Die Telefonnummer aus dem alten Text hat sich durch den Umzug nicht verändert! Es wäre mir aber ganz lieb, wenn der Nachwuchs sich nicht unmittelbar einstellte, sondern wir uns vorher reichlich Zeit zum Üben lassen könnten…).

Ich glaube, ich möchte diese Wohnung schon einmal vorsorglich als meinen Alterswohnsitz anmelden, denn ich weiß nicht, ob ich wirklich Lust dazu habe, jemals wieder umziehen zu müssen. „Ist doch toll, dann sortiert man endlich mal das ganze alte Zeug aus, und nimmt es sich nicht immer nur vor, um es dann doch wieder zu verschieben!“, sagen Menschen, die ernsthaft glauben, mir mit solcherlei Binsenweisheiten diese völlig schreckliche Beschäftigung schönreden zu können. Ihnen sei geantwortet, dass ich ein Sammler bin, der von vornherein darauf achtet, nichts zu behalten, was unnötig Regalplatz für künftige Sammelobjekte wegnehmen könnte, dessen Sammlungen aber, wie es nun einmal in der Natur von Sammlungen liegt, tendenziell immer größer werden. Das freut das Herz, wenn man vor dem Regal steht, es ärgert allerdings den Rücken, wenn die Kartons, welche die Sammlung beinhalten, immer schwerer werden. Doch betrifft dieses Problem ja nicht nur Sammlungen, es lässt sich in einem Satz zusammenfassen, den ich mir später durchaus einmal als Aufschrift meines Grabsteins vorstellen könnte: Der Inhalt von Wohnungen ist dazu da, dass man darin wohnt, nicht, damit man ihn in der Gegend herumschleppt!

Außerdem bin ich fest davon überzeugt, mit dem zweiten Stockwerk das höchste der Gefühle erreicht zu haben. Höher möchte ich nun wirklich nicht mehr schleppen müssen. Glücklicherweise ist Bielefeld ja eher in die Breite als in die Höhe gebaut (nur ein Grund, warum diese Stadt z.B. Frankfurt gegenüber unbedingt zu bevorzugen ist), so dass auch bei Hilfeleistungen gegenüber Freunden eine gute Chance besteht, dass ich mich an diesen Vorsatz halten kann.

Der Abbau der Möbel in der alten Wohnung legte zudem das ganze Ausmaß des Elends offen, in dem ich vorher gehaust hatte. Eine Küche, übersät mit Bohrlöchern, die mein Vorgänger in dieser WG beim Versuch verursacht hatte, die Küchenmöbel stabil aufzustellen. Wahlweise liegt der andere Verdacht nahe, dass er gerade einen neuen Akku-Schrauber hatte, dessen Fähigkeiten er bis zum Exzess testen wollte. Ein wenig tat mir meine alte Wohnung schon leid, nackt, entblößt in ihrer ganzen Schäbigkeit.

Leicht gefallen ist mir hingegen der Abschied von meinen gar nicht mal so erfreulichen Nachbarn (siehe Bericht an anderer Stelle): Er hat schlicht nicht stattgefunden. Heimlich still und leise vollzog sich mein Abmarsch aus diesem Haus, von keiner Menschenseele bemerkt, so zumindest mein sehr subjektiver Eindruck. Ganz anders mein triumphaler Einzug in meine neue Lebensumgebung: Die Menschen bemerkten mich, nicht nur aufgrund des Lärms, den gegen die Wände geschlagene Möbel im Treppenhaus verursachen. Auf den ersten Blick haben sie bei mir auch gar keinen schrecklichen Eindruck hinterlassen, im Gegenteil, neben solchen Mitbewohnern scheint es sich angenehm leben zu lassen.

Auch die Zeit, in der ich schweren Herzens auf ein Leben mit modernen Medien verzichten musste, ist zum Glück vorbei. So freue ich mich nun auf meinen möglichst langen Aufenthalt in meiner neuen Heimat.

Veröffentlicht in Humor

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