Präsidentenwahl im Vaterland

Veröffentlicht auf von Olaf Meiser

Es ist übrigens manchmal wirklich blöd, wenn zwischen dem Schreiben und dem Einstellen eines Textes einige Tage ins Land ziehen. So haben sich mittlerweile etliche Medien über dieses Thema geäußert. Dennoch stelle ich das hier jetzt einfach mal ein - ich habe ja auch momentan keinen Ersatztext...

Präsidentenwahl im Vaterland

 

So, jetzt ist er also zurückgetreten, der Herr Köhler! Ich weiß ja nicht, was ich davon halten soll. Ich bin ja der Meinung, dass man das höchste Amt eines Staates nicht wegen so einem bisschen Gegenwind aufgeben sollte. Was ist denn das für eine Art? Da müssen andere Gründe mit hineinspielen, aber warum stellte er sich dann im letzten Jahr überhaupt zur Wiederwahl? Nicht, dass ich von Herrn Köhler während seiner Amtszeit allzu begeistert gewesen wäre, dazu wirkte er zu wenig staatsmännisch, war ein zu wenig mitreißender Redner in einem Job, der Reden nun einmal als eine Haupttätigkeit voraussetzt. Aber einfach so sang- und klanglos abzutreten? Nein, das geht mal gar nicht.

Hatte er nicht bereits bei seinem Amtsantritt verkündet, er wolle ein unbequemer Präsident sein? Gut, mit seinen verweigerten Unterschriften unter zwei Gesetzesvorhaben konnte er dies immerhin ansatzweise bestätigen. Aber muss jemand, der unbequem sein möchte, nicht auch damit rechnen, einen entsprechenden Gegenwind zu bekommen? Und dann fällt er sofort um? Gerade jetzt, wo man einen gelernten Ökonomen an der Staatsspitze vielleicht wirklich mal hätte brauchen können? Schwaches Bild!

Und dann die Begründung: Er hätte den Eindruck, dass seiner Position / seinem Amt nicht der gebührende Respekt entgegen gebracht werde! Zeugt es denn von Respekt vor der Würde des Amtes, wenn man von einem Tag auf den anderen einfach die Brocken hinschmeißt? Außerdem ist Kritik kein Zeichen von mangelndem Respekt! Der Mann war (wegen dieses speziellen Amtes!) eine Person, die sich im öffentlichen Raum geäußert hat. Natürlich ziehen öffentliche Äußerungen Reaktionen nach sich! Diese Position macht einen Menschen doch nicht sakrosankt! Das tut nicht einmal die Position des Papstes, auch wenn der und einige verblendete Anhänger dies tatsächlich selbst glauben.

Und jetzt? Eilig wurde versichert, dass man für die Nachfolge nach einer parteiübergreifenden Lösung suchen wolle, nur um dann doch lieber dem inneren schwarz-gelben Koalitionsfrieden den Vorzug zu geben und völlig überraschend Christian Wulff aus dem Ärmel zu schütteln. Christian Wulff! Würde Robert Musil noch leben, könnte er hier eine Inspiration finden, sein fragmentarisches Epos „Der Mann ohne Eigenschaften“ doch noch zu vollenden. Ein aalglatter Karrierist, neben dem selbst Johannes B. Kerner noch wie eine richtige Type mit Ecken und Kanten wirkt. Ich bin mir nicht sicher, ob der überhaupt schon mal richtig arbeiten musste…

Das Schlimmste an der ganzen Angelegenheit ist aber die Verlogenheit, mit der sie durchgeführt wurde. Zuerst hieß es von Seiten der Union und der FDP, man würde einen Konsens-Kandidaten suchen, auf den man sich auch mit den anderen Parteien einigen könne. Doch dann siegte der Koalitionsfrieden doch über das Interesse, einen Kandidaten mit breiter Mehrheit zu finden.

Ach Deutschland, Du hast es in den letzten Jahren nicht leicht gehabt mit Deinen Präsidenten! Zugegeben: Am Anfang habe auch ich über Roman Herzog gelacht, doch muss ich zugeben, dass dieser Mann in seinem Amt gewachsen ist und dass ich es bedauerlich fand, dass er sich nicht zu einer zweiten Kandidatur entschließen konnte. Ihm folgte Johannes Rau. Als Ministerpräsident unseres schönen Bundeslandes ein großer und wichtiger Politiker, als Bundespräsident eine glatte Fehlbesetzung. Zu sehr war er in die Strukturen seiner Partei eingebunden als dass man jemals das Gefühl haben konnte, es mit einem wirklich neutralen Kandidaten zu tun zu haben – eine Voraussetzung allerdings, die dieses Amt unbedingt an einen Inhaber stellt. Über Horst Köhler habe ich bereits genug Worte verloren. Und nun Christian Wulff. Ein Mann, der im Gegensatz zum schon nicht wirklich neutralen Rau sogar noch als Ministerpräsident amtierte, als er nominiert wurde. Wie viel Neutralität und Überparteilichkeit kann man von so einem Mann erwarten?

Immer wieder wird sich in den Parteien über den auch von Köhler bemängelten „Mangel an Respekt“ vor dem höchsten Amt im Staat echauffiert. Wenn man einen Kandidaten auf diesem Wege ins Amt mauschelt, dann darf man sich darüber auch nicht weiter wundern…

Veröffentlicht in Essay

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post