Service fürs Telefon am Telefon

Veröffentlicht auf von Olaf Meiser

Service fürs Telefon am Telefon

 

Mein Telefonanbieter fürs Festnetz ist von einem großen britischen Unternehmen geschluckt worden, das in Deutschland vor allem durch die Übernahme eines großen Handyanbieters von sich reden gemacht hat, in dessen Zug es zu einem großen Korruptionsskandal kam. Eigentlich wollte ich diesen Konzern fortan meiden, weil er auch nicht gerade günstig ist, allerdings machte sich die Umstellung für mich nicht bemerkbar, weshalb ich es dabei beließ, bei diesem Anbieter zu bleiben.

Bislang gab es diesbezüglich auch noch keinen Anlass zur Klage. Leider aber haben Telefonanbieter oftmals ein etwas krudes Verständnis von „Service“, dass sich in streckenweise putzigen Aktionen zeigt. Eine ganz große Nummer ist es, beim Kunden anzurufen, um ihm Produkte anzudrehen, über die er sich nicht recht freuen will. Es folgt ein am eigenen Leib erlebtes Beispiel:

Das Telefon klingelt mich aus dem Bett und eine junge Frau begrüßt mich mit strahlender Stimme „Schönen guten Morgen, mein Name ist xy und ich rufe Sie im Auftrag von Vodafone an!“ (ups, jetzt ist der Name des Unternehmens doch gefallen…). „Es geht um unseren Service.“ Etwas missmutig, da ich mich nicht gerne aus dem Bett klingeln lasse, wenn die Nacht davor lang war, denke ich: „Ich war mir gar nicht bewusst, Euch um einen Weckservice gebeten zu haben, Ihr ungebetenen Störenfriede!“ Natürlich behalte ich diesen Gedanken für mich, denn die Dame, deren Stimmbänder für die freundliche Stimme verantwortlich sind, tut ja letztlich auch nur ihren Job und hat wahrscheinlich gar keinen direkten Einfluss darauf, welchen Kunden sie gerade anruft. Noch im Halbschlaf höre ich mir also an, was sie zu sagen hat.

Sie möchte mir wunderbare neue Angebote vorstellen. Um das Kundenpotenzial dafür herauszufinden, stellt sie mir lehrbuchmäßig die entsprechenden Fragen zur Bedarfsanalyse. „Telefonieren Sie viel in andere Mobilfunknetze?“ Wohl kaum, dafür habe ich ein Handy… „Und wie sieht es denn bei Ihnen mit Auslandstelefonie aus?“ Gerne hätte ich jetzt mit meinen zahlreichen über die ganze Welt verteilten Freunden geprotzt, allein ich musste ihr die bittere Wahrheit gestehen: Meine Freunde leben gar nicht über die ganze Welt verteilt, also musste icfh auch diese Frage verneinen. Als nächstes wollte sie wissen, ob ich meinen PC (Telefon und Internetzugang hängen bei mir wie bei den meisten zusammen) denn in einem weitreichenden Netzwerk nutze. Hier musste sie sich die Gegenfrage gefallen lassen, ob ein „Netzwerk“, das aus lediglich einem einzigen PC besteht, in den Augen ihres Brötchengebers schon als „weitreichend“ gilt. Etwas pikiert, musste sie sich eingestehen, dass bei mir wohl keine Zusatzverträge zu holen seien.

Also fragte sie dann, ob ich denn mit den bisherigen Leistungen Vodafones zufrieden sei. Ich bejahte dies, denn meiner Erwartungshaltung (funktionierende Telefonleitung und stabiles Internet) wurde mein Anbieter bislang ja durchaus gerecht. Eigentlich habe sie auch nur angerufen, um mich zu fragen, ob ich denn meinen Vertrag beim Unternehmen verlängern wolle. Ich war etwas verwundert, denn eigentlich heißt es doch immer, dass man selbst aktiv werden muss, wenn man das nicht will. Um der freundlichen Stimme (und dem Mäuschen, das ich mir zugegebenermaßen dahinter vorstellte) wenigstens ein Erfolgserlebnis zu gönnen, bejahte ich ihr wenigstens diese Frage, was dann auch gleich feierlich mit Tonbandaufnahme und was weiß ich noch aufgenommen wurde, mit der Versicherung, ich erhielte dafür noch eine schriftliche Bestätigung. Auf die warte ich bis heute. Seit zwei Wochen. Inzwischen mache ich mir einige Sorgen, ob Vodafone mir vielleicht aufgrund dieses Gespräches das Vertrauen entzogen haben könnte…

Veröffentlicht in Humor

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