Verliebt in Marietta Slomka

Veröffentlicht auf von Olaf Meiser

Verliebt in Marietta Slomka

 

Schon vor einiger Zeit habe ich für mich entdeckt, dass ich es als Zuschauer deutlich angenehmer finde, auf die Spätnachrichten zurückzugreifen. Die Moderatoren der Tagesthemen und speziell des Nachtmagazins haben größtenteils eine wesentlich unverkrampftere Art und Weise, das Tagesgeschehen zu präsentieren.

Nun sind seit fast drei Wochen auch die olympischen Winterspiele in Vancouver bereits wieder Geschichte. Als Fanatiker habe ich natürlich jede freie Minute vor dem Fernseher verbracht und dabei natürlich auch die Unterbrechungen der Sportberichterstattung durch die „seriösen“ Nachrichten erlebt. Dies geschah wechselweise in der ARD oder dem ZDF, dem ich seitdem eine ebenbürtige Qualität zuschreiben möchte, was die Spätnachrichten angeht.

Jedoch hat das speziell Heute-Journal einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Marietta Slomka. Hatte ich sie einst als eher etwas spröde wirkende Nachrichtensprecherin wahrgenommen, muss ich diese Meinung nach meinen Erfahrungen während der Winterspiele revidieren und mich bei ihr für diese Fehleinschätzung entschuldigen. Nachrichten können nämlich auch sehr attraktiv sein!

Die Spätnachrichten leben vor allem davon, dass die Sprecher eben nicht nur trocken die Fakten herunter leiern, sondern manch einer Meldung auch noch einen süffisanten Kommentar hinterher schieben. Das ist fast immer sehr angenehm weil amüsant, aber niemand (!) schafft es, dabei auch noch einen Blick aufzusetzen wie Frau Slomka. Der elektrisiert und wirkt wie eine Anmache, die direkt aus dem Monitor auf einen zuschießt und die Sinne verwirrt.

Ich versuche einmal, diesen Blick zu beschreiben: Es endet also der Bericht (wahlweise dessen Anmoderation, manchmal werden die Kommentare auch schon vorbeugend abgegeben) und dabei gibt es für die Moderatorin die Gelegenheit, noch eine kleine Spitze hinterher zu schießen. Das tut sie und am Ende des Satzes senkt sie dabei leicht den Kopf und blickt leicht nach oben (halt so, dass sie wieder direkt in die Kamera blickt). Dabei lächelt sie ein feines Lächeln, bei dem sie ein ganz klein wenig die Oberlippe über die Unterlippe schiebt. Was sich hier aufwändig liest, sieht man als Zuschauer natürlich bestenfalls eine Sekunde lang, aber was für eine Sekunde ist dies! Welche Wirkung erzielt sie damit! Für diese Sekunde – oder vielleicht auch nur Bruchteile davon – steht die Welt still und es interessiert nicht, ob dieser Blick einen neuen Schildbürgerstreich irgendwelcher Parteifunktionäre begleitet oder wahre Horrormeldungen von Anschlägen oder Naturkatastrophen. (Zumindest theoretisch nicht, in der Praxis besitzt Frau Slomka natürlich genügend Stil, um bei der letzteren Kategorie auf diese erotisierende Aufladung der Meldungen zu verzichten!) Das ist natürlich nichts anderes als ein klassischer „Böse Mädchen“-Blick – aber eben gekonnt serviert.

Auf einmal braucht man gar keine sachlichen Argumente mehr dafür, warum es wichtig ist, täglich die Nachrichten zu verfolgen – rein subjektive Gründe reichen aus. Deshalb lautet mein Appell an die Programmverantwortlichen auf dem Lerchenberg: Lasst Frau Slomka noch viel häufiger das Heute-Journal moderieren! Und meine Entschuldigung an Marietta Slomka, dass dieser Appell natürlich auf Kosten ihrer vermutlich auch nicht allzu üppigen Freizeit gehen wird. Aber ich will das sehen! Und dafür zahle ich schließlich auch GEZ!

Veröffentlicht in Humor

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