Vom Ende des Zaubers

Veröffentlicht auf von Olaf Meiser

Vom Ende des Zaubers

 

Es musste ja so kommen: Kaum habe ich vor gar nicht allzu langer Zeit die kleine Tankstelle um die Ecke gelobt und wohlwollende Worte über deren weibliches Personal gefunden, da ist der Zauber auch schon wieder verflogen. Nicht, dass die Damen auf einmal alle hässlich oder unfreundlich geworden wären… Es ist viel schlimmer: Sie sind seitdem nicht mehr anwesend.

Jedes Mal, wenn ich nun den Shop dieser Tankstelle betrete, erwartet mich dort mitnichten das gekonnte „Hi!“ meiner Lieblingsmitarbeiterin, sondern ein schluffiges „N’Abend“ eines etwas dicklichen Herrn fortgeschrittenen Alters, der nichts dabei findet einen gewaltigen gurkengroßen Schnauzbart durch die Gegend zu tragen. Er sieht aus wie Lech Walesa. Nichts gegen Lech Walesa, der Mann hat zweifellos große Verdienste. Aber seien wir ehrlich: Die Menschen haben nicht seiner Optik wegen geliebt. Charakterkopf hin, Charakterkopf her – das Thema Schönheit hat er völlig zurecht dem Geschlecht überlassen, das sich damit zweifelsohne besser auskennt. Der Mann an der Tankstelle scheint aber allen Ernstes zu glauben, er stelle einen gleichwertigen Ersatz für die charmanten Damen dar! Vielleicht glaubt er gar, ich käme nur wegen des (doch eher überschaubaren) Warenangebots in seinen kleinen Shop. Nichts hat er verstanden, gar nichts!

Ich hoffe nur, es handelt sich bei ihm lediglich um einen Ausrutscher oder eine Urlaubsvertretung. Wenn nicht, dann muss ich wirklich dazu übergehen, mir einen Vorrat all jener schönen Dinge zuzulegen, für die ich früher gerne nachts noch einmal zur Tankstelle getigert bin. Das Leben kann manchmal schon eine echte Nutte sein!

Veröffentlicht in Humor

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