Wenn Werbung ins Leere läuft

Veröffentlicht auf von Olaf Meiser

Wenn Werbung ins Leere läuft

 

Es gibt Werbung, die ganz elegant ihre eigentliche Nicht-Aussage zu kaschieren versteht. Jede gute Parfum-Werbung zeigt viele schöne Bilder, nachderen Anblick man immer noch keine Vorstellung davon hat, wie das dahinter stehende Produkt letztlich riechen mag. Das Problem ist, dass auch andere Produkte diese Taktik gerne kopieren würden, ohne dass dies wirklich funktioniert.

So gibt es in letzter Zeit im Kino einen Spot zu sehen, der das Gefühl beschreiben soll, dass einen überkommt, wenn man den neuen (und nebenbei: hoffnungslos überteuerten) Kaugummi von Wrigleys probiert. Ein Mann in Retro-Shorts legt sich in einen See aus kleinen Metallkugeln, die anschließend von wummernden Bassschlägen in Vibration gebracht werden. Freundlicherweise gehe ich mal davon aus, dass uns dieser Spot aus Sicht seiner Produzenten nicht die Aussage vermitteln soll, der Genuss dieses Kaugummis verursache Kopf- oder Ohrenschmerzen, was ja durchaus auch eine mögliche Aussage wäre. Vielleicht bin ich ja auch schon ziemlich abgestumpft, aber eine persönliche Geschmacksprobe hat ergeben, dass dieser Kaugummi eigentlich sehr ähnlich den guten alten, wenn auch etwas konservativen Wrigleys Spearmint Gums schmeckt, wenn auch in zuckerfrei. Das ist beileibe nicht die schlechteste Referenz, so aufregend neu, wie der Spot uns glauben machen möchte, ist es aber erst recht nicht. Allerdings würde ich gerne noch den Erfahrungsbericht einer Frau zu diesem Kaugummi hören. Wenn sie sich bei diesem Genuss fühlt wie ein Mann in Retro-Shorts, dann hätte sich immerhin ein Teil des Werbeversprechens erfüllt.

Ähnlich verhält es sich mit dem Spot für Magnum, der im Kino immer unmittelbar vor der Eispause (auch so eine Erfindung, die kein Mensch braucht) ausgestrahlt wird. Ganz ehrlich: Wenn ich ein Eis äße - und die Stadtbahn meiner Stadt würde sich vor mir in ein bizarres Barock-Szenario verwandeln und wäre dabei auch noch von immerhin hörenswerter Musik untermalt statt dem üblichen Aggro-Berlin HipHop der Generation Geistlos – ich würde dieses Eis immer wieder kaufen. Offenbar ist dem Magnum im Spot nämlich LSD beigemischt, bei der gezeigten Wirkung sogar nicht einmal zu knapp. Dafür ist ein Preis von unter 2 Euro für ein Eis wahrlich nicht zu viel verlangt! Sogar nach einer moderaten Preiserhöhung wäre ich immer noch bereit, das Produkt zu kaufen. Doch auch hier, ach und weh: Bittere Ernüchterung beim Abgleich des gezeigten Spots mit der Wirklichkeit. Es bleibt letztlich dabei, dass Magnum ein zwar leckeres aber eben auch unverschämt teures Eis ist, das keine bewusstseinserweiternden Nebenwirkungen auslöst und deshalb wie bisher eher selten seinen Weg in meinen Magen finden wird.

Auf eine ganz andere Weise läuft eine Werbung ins Leere, die ich im ZDF des Öfteren zu sehen bekomme. Neben der Apothekenumschau (auffällig, dass die Apotheken ausgerechnet mit ihrem einzigen Umsonst-Produkt auf sich aufmerksam machen – und auch nicht so richtig seriös, eigentlich…) gibt es da einen tollen Werbespot für ein Mittel, dessen Name mir leider momentan partout nicht einfallen will. Jedenfalls soll es auf ganz natürliche Art und Weise einen Blähbauch entspannen. Nun, der Spot zeigt zwei junge attraktive Frauen. Die eine möchte die andere dazu überreden, sie zu begleiten. Darauf zieht ihre Freundin ein fürchterlich leidendes Gesicht und klagt, dass sie leider nicht mitkommen könne, weil sie einen so unangenehmen Blähbauch habe. Absehbare Pointe: Frau Nummer 1 empfiehlt ihrer Freundin dann halt das entsprechende Mittelchen.

Davon mal abgesehen, dass ich ohnehin dagegen bin, wegen jedem Quatsch gleich zu Medikamenten zu greifen, finde ich die Auflösung der Situation doch todlangweilig! Gerade fällt mir ein, dass es dabei gar nicht um ein Medikament geht, sondern um Activia-Joghurt. Das ändert allerdings nichts an den folgenden Aussagen: Wie viel lustiger wäre denn der Spot, wenn die Freundin sagen würde: „Deinen Blähbauch kannst Du auf ganz natürliche Art und Weise entspannen!“ und ihr dann erstmal eine Fanfare auf der Analtrompete blasen würde? Furzende Frauen scheinen nicht nur in der Werbung irgendwie problematisch zu sein, woran ich einer gewissen gesellschaftlichen Grundverklemmung die Schuld geben möchte! Dabei verhält sich die Sache doch so: Wenn Freundin Nummer 2 auf der Party oder wohin auch immer die beiden gerade gehen wollen den passenden Typen kennenlernt und dann eben nicht so verklemmt ist – wird er dann nicht gerade beeindruckt sein? Gerade, wenn sie nicht wie ein ordinäre Zippe wirkt – wäre das nicht eine heitere Überraschung für ihn? Mit leuchtet ein, dass der Werbeeffekt für das Medikament weg wäre, dafür wäre das Amüsement beim Zuschauer ungleich größer als bei den drögen sonstigen Spots aus der Produktkategorie Heilmittel. Gab es da nicht auch mal einen tollen Spot, bei dem ein Pärchen knutschend auf dem Sofa saß und sie dann rülpsen musste? Einen Schokoriegel für die Person, die mir sagen kann, für welches Produkt das war!

Als letztes möchte ich hier noch die Werbung für Hasseröder aufgreifen. Gegen Bier habe ich ja als Produkt grundsätzlich nichts einzuwenden. Allerdings: Möchte man wirklich ein Bier trinken, das von vier unsympathischen, nicht gerade reinlich und helle wirkenden Vollproleten getrunken wird? Hat man als Biertrinker nicht ohnehin schon genug Imageprobleme? Mich animiert diese Werbung jedenfalls deutlich dazu, mich bevorzugt nach einer anderen Marke umzuschauen. Außer Veltins, denn was Rudi Assauer angeblich trinkt, soll nicht mal den Weg in meine Wohnung finden, geschweige denn in meinen Magen.

Zuallerletzt möchte ich dann noch die BILD-Werbung aufgreifen. Damit meine ich gar nicht mal so sehr die Werbung dieses Blattes im Allgemeinen, ich beziehe mich vielmehr speziell auf die Sonntagsausgabe, die lange Zeit mit Mario Basler beworben wurde. Der lässt den armen Zeitungsbotenerst zu sich kommen, gibt ihm dann kein Trinkgeld und schmeißt ihm die Tür vor der Nase zu. Zuerst dachte ich: Klar, jeder Leser dieses Schmierblattes wird sich mit si einem asozialen Verhalten problemlos identifizieren! Doch halt: Kann die Zielgruppe es nicht vielleicht doch missverstehen, wenn eine Zeitung, die mit Vorliebe als Anwalt des kleinen Mannes auftritt, zeigt, wie man diesen fachgerecht ausbeutet? Oder überschätze ich da etwa das Abstraktionsvermögen der Leser?

Wie dem auch sei: Ich bin gespannt, welche seltsamen Kampagnen uns in nächster Zeit noch so beglücken werden…

Veröffentlicht in Humor

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