Winterzeit

Veröffentlicht auf von Olaf Meiser

Winterzeit

 

Es ist vollbracht: Wieder einmal wurden die Uhren um eine Stunde zurückgestellt und Deutschland ächzt unter einer Erfindung, die einem nicht so richtig Freude machen will: Der Winterzeit! Ja, ich weiß, ich weiß, eigentlich ist nicht die Winter- sondern die Sommerzeit die „falsche“ Einstellung der Uhr, und jetzt herrscht eigentlich die normale Uhrzeit, die der Herrgott für uns auch so vorgesehen hat.

Das ändert aber nichts an den Auswirkungen der eklen Zeitumstellung: Schon am späten Nachmittag kommt die Dunkelheit über unsere Stadt, sobald es draußen finster ist, verliert man jedes Gefühl der Zeit und schätzt schon den frühen Abend für die tiefste Nacht ein. Der eigene Körper möchte einem bei dieser Einschätzung Recht geben und es über kommt einen die bleierne Müdigkeit, sobald das Tageslicht im Kampf mit der Dämmerung ein weiteres Mal den Kürzeren gezogen hat. Die Unternehmungslust wird auf ein Minimum eingeschränkt und man darf sich durchaus fragen, ob der liebe Gott einen seiner besten Momente hatte als er beschloss, dass die Tage über das Jahr verteilt unterschiedlich lang sein müssten.

Natürlich kann man jetzt einwenden, dass die Dunkelheit doch auch ihre Vorteile habe. So kommt zum Beispiel die weihnachtliche Beleuchtung der Städte erst bei Dunkelheit richtig zur Geltung. Für die Weihnachtszeit würde ich von meiner Klage auch gern eine Ausnahme machen, wenn denn der Einzelhandel nicht ihren Start bereits auf Ende September vorverlegt hätte. Mit blumigen Worten wird dafür argumentiert, Spekulatius und Lebkuchen heißen in der Verkaufssprache offiziell „Herbstgebäck“ (hat die Akademie der Deutschen Sprache diesen Begriff eigentlich jemals zum Unwort des Jahres erklärt?). Nein, soviel Dunkelheit ist dann doch zu viel für mein empfindliches Gemüt.

Es bleibt mir nur, das übliche Programm gegen die alljährlichen Dunkelperioden-Depressionen durchzuziehen: ätherische Öle verbrennen, Tee trinken wieder zum Ritual der Gemütlichkeit erklären, viel lesen, um den Blick vom Fenster abzulenken. Alles schwache Ersatzdrogen für mein geliebtes Sonnenlicht. Hoffentlich kommt bald der nächste Frühling!

Veröffentlicht in Humor

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